Arkadiy Babchenko: Russia’s inevitable Antimaidan future

By Arkadiy Babchenko, independent journalist, creator of Journalism without intermediaries
02.09.2015
Translated and edited by Voices of Ukraine

“You will get the next Manezhka, only [this time] squared.”

Regarding the “Antimaidan:” one obvious thing, which in light of it’s obviousness I did not really want to talk about,  nevertheless I see it’s not so obvious to everyone. The Surgeon [leader of the Night Wolves bikers club] and Starikov [Russian politician, Antimaidan supporter] can beat their chests and yell about preventing the Orange Revolutions and the wiles of the US State Department all they like. That’s not the problem.

Your problem, guys, is not with the hipsters. And not with the nerdy liberals. Your problem is that in the course of one year you have managed to do what the hipster-liberal-activist-American-Memorial-stateDepartments couldn’t do in fifteen years.

You have managed to alienate the nationalist Ultras.

And it’s not just about this one particular person, who is far beyond making his first video, although this time he is being quite tough.

Video – “You are not just brothers, you are biatches”! A Russian nationalist from the Russian troops in Ukraine / Donetsk, Lugansk [in Russian]: https://www.youtube.com/watch?v=Ut8ZJKWepw0#t=38

And it’s not even about the fact that the Russian rally for the first time this year happened in two places – the pro-Ukrainian Ultras marched in Lublino, while the pro-Imperial retirees – in Tushino, specifically, so that they don’t clash. And in Lublino, along with the famous song from Kharkiv, you could also hear “Glory to Ukraine.”

https://www.youtube.com/watch?v=A1U45OgKPXM

The problem is that right here, three Ultras were walking past some vatnik picket, which was calling for the execution of [Nadiya] Savchenko– and via a popular method, that is, using physical violence– made it clear that by no means does everyone agree with their approach.

Watch from 2:30

https://www.youtube.com/watch?v=_59XaKlY-ks

The fact is that at every liberal rally for peace, or against corruption, there are groups of young sporty guys with soccer fan scarves who walk in small groups among the nerdy liberals and just wait for the opportunity to settle differences with the patriotic-minded anti-maidaners.

So your problem is not with the nerdy liberals at all. Those you can cover in a brilliant green, turn over their tables in a cafe or even knock out a couple of teeth with police assistance – that won’t be a problem.

Your problem is that in just one year you have managed to get completely different groups and segments of the population to hate you.

So if your wish of a mass, hand-to-hand fight comes true – God protect us all from that, of course – you will get not that harmless Bolotnaya [riot case].

You will get the next Manezhka rally in Moscow [of May 2014 against Russian occupation of Crimea, war in Ukraine, and internal policies of Putin – Ed. Note], only squared [this time].

And if I were you, I would watch over the nerdy, harmless liberals very closely. Because nature abhors a vacuum. And once you clean up, jail, and run over the intellectuals with their balloons – instead of them, the streets will be overrun by underage kids with baseball bats and guys with pitchforks.

Such are the laws of sociology, they cannot be helped.

Source: https://www.facebook.com/kanut.leifson/posts/682637208528779

Original Babchenko post: http://m.nv.ua/opinion/babchenko/o-rossiyskom-antimaydane-i-nacionalisticheskih-ultras-33536.html  

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Hitler bezeichnete sich auch nicht als Faschist

Eine Replik des ukrainischen Publizisten Vitali Portnikow auf eine Kolumne von Anton Olejnik bei Wedomosti.ru

Russland ist ein klassischer faschistischer Staat, und die Ideologie des Hitlerismus wird von der Mehrheit seiner Bewohner geteilt und unterstützt.

Vitali Portnikow

Vitali Portnikow

In den Moskauer „Wedomosti“ las ich eine hervorragende Kolumne von Anton Olejnik (Link zur deutschen Übersetzung) über die faschistische Gefahr in Russland. Doch eigentlich ist das gar keine Vorhersage, sondern eine bereits eingetretene Prognose. Der Autor schrieb über die Möglichkeit der Errichtung einer faschistischen Diktatur in Russland und ist der Meinung, dass diese sowohl von der Elite, als auch in der von den demokratischen Institutionen und dem internationalen Recht enttäuschten Gesellschaft unterstützt werden würde. Doch genau das ist bereits passiert. Im Russland von heute gibt es praktisch keine demokratischen Institutionen mehr. Es gibt hier kein Parlament, kein unabhängiges Gericht, keine kommunale Selbstverwaltung, von der freien Presse sind nur Fetzen übrig – und genau deswegen sind die „Wedomosti“ vermutlich gezwungen, über einen möglichen Faschismus in der Zukunft zu schreiben, und nicht über den Faschismus der Gegenwart. Das Parteiensystem ist nach der Krim ebenfalls endgültig liquidiert. „Einiges Russland“, „Gerechtes Russland“, die „Liberal-demokratische Partei Russlands“ und die „Kommunistische Partei der Russischen Föderation“ könnten sich jederzeit zu irgendeiner national-sozialistischen Arbeiterpartei Russlands zusammenschließen. Es würde alle nur freuen. Denn schließlich, ich darf daran erinnern, richteten sich die Demonstrationen auf dem Bolotnaja-Platz, ja gerade gegen Fälschungen der Ergebnisse der Parlamentswahlen, das heißt, es wurde angenommen, dass die Anzahl der für irgendein „Gerechtes Russland“ abgegebenen Stimmen irgendeine Bedeutung gehabt hätten. Die Opposition ist als „Fünfte Kolonne“ diskreditiert. Das Big Business finanziert ¬– genau wie im Dritten Reich – Projekte der Machthaber. Einen Führer gibt es auch. Was fehlt da denn noch. Ach ja. Anton Olejnik schreibt: „Faschismus als soziale Erscheinung bezeichnet das Unvermögen, die eigenen Interessen gegenüber der Umgebung anders als durch Einsatz von Gewalt durchzusetzen. Er verbreitet sich parallel mit der Negation der in der Innen- und Außenpolitik bestehenden formalen Institutionen. Faschismus ist, wenn die Diskussion am wichtigsten Punkt beendet wird und die Waffen sprechen. Dass Russland in der Außenpolitik auf Gewalt setzt, hat sich zunächst während des Konflikts in Südossetien und jetzt in der Ukraine gezeigt. Seine Interesse und seine Bereitschaft, diese mit Gewalt durchzusetzen, hat Russland zunächst etwas schüchtern erklärt – es versteckte die Erkennungszeichen auf den Uniformen der Soldaten und dem Kriegsgerät –, doch es erklärt sie zunehmend offen.“

Deswegen darf man sich keinen Illusionen hingeben. Russland ist ein klassischer faschistischer Staat, und die Ideologie des Hitlerismus wird von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt und unterstützt. Und das ist nicht erst heute und nicht erst gestern geschehen ¬– vor der Gefahr einer derartigen Entwicklung der Ereignisse habe ich bereits im Jahre 1999 gewarnt. Russland hat einfach vor der Kulisse des Maidan endgültig seine Maske fallen lassen, und darauf haben zunächst wir (Ukrainer) und danach die ganze restliche Welt den scheußlichen Anblick der gefletschten Zähne des russischen Staats gesehen. Davon, dass der Faschismus unter Losungen des Kampfes gegen den Faschismus aufgebaut wird, darf sich niemand täuschen lassen. Wie Anton Olejnik treffend anmerkt, hat sich Hitler auch nicht als Faschist bezeichnet. Er war ein Nationalsozialist. Seine Staatsideologie wurde erst später als eine Variante des Faschismus klassifiziert – und das russische Staatswesen unter Putin ist genau dieselbe Variante. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

In der Geschichte gab es praktisch keine Fälle, in denen ein faschistisches Regime modernisiert werden konnte. Höchstens vielleicht Spanien nach Franko, aber El Caudillo war kein klassischer Faschist, er hatte lediglich die Falangisten in sein politisches System eingebaut. Das ist ungefähr so, wie Putin in sein bereits faschistisches System die Kommunisten eingebaut hat. Ein faschistisches Regime aber kann nur sterben. Unter welchen Umständen es stirbt – das wird der Gang der Geschichte zeigen.

Vitali Portnikow, 14.02.2015, auf espreso.tv

Aus dem Russischen von: Tobias Ernst – Fachtexte vom Profi

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Die Gefahr des Faschismus, oder: ein Weimarer Szenario in Russland

Die tiefste Wurzel des Faschismus liegt in der Diskreditierung der formalen Institutionen aufgrund ihrer Nichtübereinstimmung mit den alltäglichen Praktiken.

Modisch gekleidete Damen in Weimardeutschland (Foto: hemlinequarterly.wordpress.com)

Modisch gekleidete Damen in Weimardeutschland (Foto: hemlinequarterly.wordpress.com)

Im politischen Diskurs in Russland erlebt das Wort „Faschismus“ und davon abgeleitete Wörter eine gewisse Mode. Kein Diskurs über die extreme Rechte kommt ohne Erwähnung des Faschismusbegriffs aus. Auch in Gesprächen über die Ukraine wird häufig auf Faschismus Bezug genommen. Als unsichtbarer Verweis ist der Faschismus in jedem St.-Georgs-Band, in jedem der häufig auf Autos zu findenden Schriftzüge „Nach Berlin!“ präsent. Dabei wird eine Quelle von Faschismus außer Acht gelassen, die es ihm erlauben kann, just im heutigen Russland aufzublühen. Und das ist das Unvermögen der formalen Institutionen, den Erwartungen der Bevölkerung zu entsprechen.

Die zurückgewiesenen Institutionen

Institutionen, so schreib Douglas North in Institutions, Institutional Change and Economic Performance, setzen den allgemeinen Rahmen für die Interaktion der Menschen, d. h., sie geben die Spielregeln vor. Das Spiel kann von uns als unser eigenes Spiel (ein Spiel, dessen Regeln klar sind) oder als fremdes Spiel wahrgenommen werden, an dem wir erzwungenermaßen teilnehmen. Alles hängt von dem Verhältnis der formalen Institutionen und der alltäglichen Praxis ab – ob sie verwandt sind oder einander widersprechen. Unverständliche formale Institutionen werden früher oder später zurückgewiesen. Niemand spielt gern ein fremdes Spiel. Offenkundig findet im kontemporären Russland gerade sowohl in der Innenpolitik (Demokratie) als auch in der Außenpolitik (zwischenstaatliche Verträge und internationale Rechtsnormen) eine Zurückweisung der Spielregeln statt.

Die Prinzipien von Wählbarkeit und Gewaltenteilung, vom Primat des Rechts blieben losgelöst von den alltäglichen Erfahrungen der russischen Bürger (siehe Can Democracy Take Root in Post-Soviet Russia?). Doch wo hätten diese denn Demokratie lernen sollen? Familie, Schule, Universität, Arbeitsplatz und politische Parteien sind alle von autoritären Elementen durchdrungen. Daher rühren die Versuche, die Demokratie zunächst an die russischen Realitäten anzupassen („souveräne Demokratie“) und dann sich ganz von ihr zu verabschieden – zugunsten einer besser vertrauten Zentralisierung der Macht auf allen Ebenen, von der Familie bis zum Kreml.

In der Außenpolitik hängt die Zurückweisung der formalen Institutionen mit der fehlenden Bereitschaft der Bevölkerung und der Eliten zusammen, sich mit dem postimperialen Status des Landes zufriedenzugeben. Unter solchen Bedingungen sind internationale Rechtsnormen, die für nichtimperiale Gebilde geschrieben sind, nicht länger hilfreich, sondern verhindern die Realisierung von Außenpolitik. Und ein Hindernis wird entweder umgangen, oder man versucht, es zu zerstören. Schlussendlich wurden die formalen Institutionen der Innenpolitik und der Außenpolitik zurückgewiesen, weil sie nicht den gewohnten Praktiken und den Vorstellungen der Politiker und der gewöhnlichen Menschen davon entsprachen, wie alles sein soll, damit es „gerecht ist“.

Wer die Spielregeln nicht akzeptiert, verlässt entweder das Spielfeld (er spielt nicht mit), oder er versucht, den anderen Spielern seine eigenen Spielregeln aufzuzwängen. Mit letztgenannter Alternative hängen auch die Hauptrisiken der weiteren Entwicklung der Situation in Russland zusammen. Jedem, der sich mit den ursprünglich vorgegebenen Spielregeln einverstanden erklärt hatte (der inländischen Opposition und den nächsten Nachbarn), wird de facto vorgeschlagen, ein anderes Spiel zu spielen. Daher auch die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung der Ereignisse nach einem Weimarer Szenario: eines Aufdrängens alternativer Spielregeln mithilfe von Gewalt.

Der Schatten von Weimar

Die Weimarer Republik existierte vergleichsweise kurz ¬– von 1919 bis 1933. Sie war eine Alternative zu dem Projekt einer sozialistischen Revolution westlich der Grenzen Russlands. Nachdem Versuche, in Europa Arbeiter- und Bauernstaaten zu errichten, gescheitert waren, galt die Weimarer Sozialdemokratie als „vernünftiger Kompromiss“ zwischen einer Revolution und der Beibehaltung des Status quo. Die Weimarer Republik markierte gleichzeitig die erstmalige Existenz eines vereinigten Deutschlands. Nach dem Auseinanderfallen Österreich-Ungarns war auf der Landkarte Europas ein neues Imperium entstanden. Dieses Imperium hörte mit der Machtergreifung Hitlers auf zu existieren. Es hatte stark und schön begonnen, es zeichnete sich durch eine Blüte der Kunst (Weimar wurde zur Heimat des Dadaismus) und der Medien (erstmals wird Rundfunk zu Unterhaltungszwecken ausgestrahlt) aus, doch es endete überaus schlimm – im Faschismus.

Aufgrund bestimmter Analogien zwischen Weimardeutschland und dem postsowjetischen Russland ist das Interesse an der Weimarer Periode in Russland besonders groß. Auch das postsowjetische Russland ist ein Produkt eines Verzichts auf eine revolutionäre Entwicklung (Ende der 1980-er und Anfang der 1990-er war die Lage im Land revolutionär). Doch eine echte Revolution fand im Jahr 1991 nicht statt. Anstelle des verschwundenen sowjetischen Imperiums wurde Schritt für Schritt ein neues Imperium wiederhergestellt, das neurussische. Seine Maßstäbe sind mit den sowjetischen nicht zu vergleichen, doch das Prinzip ist dasselbe.

Die Gefahr eines Weimarer Szenarios für Russland erwähnte als einer der Ersten Alexander Janow (Posle El’cina: «Vejmarskaâ» Rossiâ, 1995): die innere Schwäche des Imperiums, multipliziert mit der Schwäche der demokratischen Institutionen, stellte er als Kernkomponente einer explosiven Mischung dar. Während der „fetten“ Nullerjahre geriet das Gerede von einem Weimarer Szenario in Vergessenheit. Das Imperium stand nun auf eigenen Beinen. Die souveräne Demokratie hatte Fuß gefasst. Kunst und Sport blühten auf.

Gewaltsame Änderung der Spielregeln

War Janow mit seiner Warnung seiner Zeit voraus? Passt sie nicht gerade heute, 20 Jahre später, viel besser? Das postsowjetische Russland existiert nun schon länger als einst die Weimarer Republik. Eine für einen faschistischen Umsturz günstige politische Situation kann sich innerhalb weniger Jahre ergeben, aber für die Reifung grundlegenderer Bedingungen für die Entstehung von Faschismus braucht es Jahrzehnte.

Die Weimarer Republik entstand nach der Niederlage Preußens im Ersten Weltkrieg. Die Bedingungen des Versailler Vertrags waren unvorteilhaft für das Land, dabei hatte es sich nur in der Erwartung einer „Gesichtswahrung“ auf die Kapitulation eingelassen. Die Niederlage der UdSSR im Kalten Krieg spielt in der Geschichte des postsowjetischen Russlands eine analoge Rolle. Formell hat es keine Kapitulation gegeben, doch der Supermachtstatus war verloren. Auch das Verhältnis der anderen Länder zu Russland und der formale Status auf der internationalen Arena änderten sich: Russland war nicht länger ein Imperium, es war ein gewöhnliches Land.

Zur Enttäuschung über den Bedingungen der „Nachkriegs“-Welt muss man die Enttäuschung von der Demokratie hinzuzählen. Genau wie in Weimardeutschland hat die Demokratie auch bei uns (in Russland) „nicht funktioniert“. Im Deutschland der Weimarer Zeit wurde Demokratie mit Inflation, häufigen Regierungswechseln und unerwarteten politischen Bündnissen (Sozialdemokraten und Konservative) assoziiert. In Russland mit dem „Liebreiz“ der „wilden 90-er“. Aufmerksame Beobachter des kontemporären Russlands können sich Sloterdijks Beobachtungen über Weimardeutschland anschließen: „Überall lag das bittere Gefühl des Betrogenseins in der Luft des Neubeginns“ (Kritik der zynischen Vernunft).

Just im Gegensatz zwischen den formalen Institutionen und den alltäglichen Praktiken und Vorstellungen sieht Sloterdijk die tiefste Wurzel des Faschismus. Unter solchen Bedingungen kann die Macht nicht durch in der Verfassung und in internationalen Verträgen festgelegte Mittel gerechtfertigt werden. Denn diese formalen Institutionen waren letztlich nicht verstanden und nicht angenommen worden! Weder von der Regierung, noch von der Bevölkerung. Faschismus, so schreibt Sloterdijk, sagt sich los von jeglichem Versuch, sich irgendwie zu legitimieren, und erklärt Brutalität und „heiligen Egoismus“ offen zur politischen Notwendigkeit und zum historisch-politischen Gesetz. Nationalismus ist unter solchen Bedingungen eines der Mittel zur Zurückweisung der formalen Institutionen (Demokratie und internationale Verträge), welche als fremd und von außen übergestülpt empfunden werden.

Faschismus als soziale Erscheinung bezeichnet das Unvermögen, die eigenen Interessen gegenüber der Umgebung anders als durch Einsatz von Gewalt durchzusetzen. Er verbreitet sich parallel mit der Negation der in der Innen- und Außenpolitik bestehenden formalen Institutionen. Faschismus ist, wenn die Diskussion am wichtigsten Punkt beendet wird und die Waffen sprechen. Dass Russland in der Außenpolitik auf Gewalt setzt, hat sich zunächst während des Konflikts in Südossetien und jetzt in der Ukraine gezeigt. Seine Interessen und seine Bereitschaft, diese mit Gewalt durchzusetzen, hat Russland zunächst etwas schüchtern erklärt – es versteckte die Erkennungszeichen auf den Uniformen der Soldaten und dem Kriegsgerät –, doch es erklärt sie zunehmend offen.

Die Wahl von Gewalt als Mittel in der Innenpolitik befindet sich momentan im Stadium des Versuchs, die offenkundige Bereitschaft zu Repressionen verschämt mit einem Feigenblatt zu bedecken. Sollte die Unzufriedenheit in der Gesellschaft weiter steigen – was angesichts der ökonomischen Krise mehr als wahrscheinlich ist –, wird das Feigenblatt fallen gelassen werden. Die Gewalt wird ihren repressiven Apparat (Polizei und Gerichte) offen einsetzen, um sich, wie Sloterdijk schrieb, an dem zu rächen, von dem sie weiß, dass er sie niemals respektieren wird, sondern dem Popanz für alle Zeiten zuruft: „Legitimiere dich oder du wirst überwunden.“

Wenn diese Hypothese wahr ist, sind es möglicherweise nicht die Rechtsextremen, die den Faschismus nach Russland bringen. Er könnte vielmehr von gewöhnlichen Bürgern und Regierungsbeamten wiedergeboren werden, die des Halts in einem Verständnis und einer Akzeptanz der formalen Institutionen der Innen- und Außenpolitik als „eigenes Spiel“ beraubt sind. Aus diesem Grund hat das faschistische Projekt, genau wie in Weimardeutschland, in Russland heute Chancen auf Unterstützung durch die Mehrheit. Es wird wohl kaum das Wort „Faschismus“ in seinem Namen führen. Aber Hitler bezeichnete sich schließlich auch nicht als Faschist.

Der Autor ist Dozent an der Memorial University (Kanada) und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralen ökonomisch-mathematischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Anton Olejnik, vedomosti.ru, 13.02.2015

Aus dem Russischen von: Tobias Ernst – Fachtexte vom Profi. Wiedergabe der Übersetzung nur unter Nennung des Übersetzers.

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Meet one of the DNR founders: a famous Donetsk Neo-Nazi Alexander Matyushin

By Ukraine Will Be Free
02.13.2015
Translated and edited by Voices of Ukraine

A famous Donetsk Neo-Nazi Alexander Matyushin, more commonly operating under an alias “Alexander de Krog,” gave an interview to a Russian right-wing radical website “Klich” [The Call], in which he spoke about fighting in Ukraine for the Russian idea, against Ukrainians who “are not Slavic by blood.”

"We followed the call of our spirit and blood. The Russian Spirit."

“We followed the call of our spirit and blood. The Russian Spirit.”

In the interview, Matyushin (de Krog) talks about organizing mass disturbances in Donetsk in the spring [of 2014] and, subsequently, taking part in combat against the Armed Forces of Ukraine. In the foreword to the interview, the article authors write that Matyushin is “one of the founding fathers of the DNR [Donetsk People’s Republic], a person of right-wing conservative views, and someone without whom Russian Spring would have been impossible.” Matyushin himself confessed that he used to be a skinhead, and has been working to create the DNR since the mid-2000’s.

“It all started in the early 2000’s. That was when I ended up in Moscow and joined the skinhead movement, which was becoming popular among the youth in the CIS countries. Gradually, my views evolved in the direction of National Bolshevism, and I joined the NBP [National Bolshevik Party]. When Eduard Limonov [founder and former leader of the NBP] entered into a coalition with liberals, I left the NBP and started supporting the ESM [Eurasian Youth Union]. By the end of 2005, the protest movement in Donbas started winding down. That was when I, together with my comrades from the coalition “For Ukraine Without [Viktor] Yushchenko,” created the social movement “Donetsk Republic.” Ever since then, my political path has been tied to that organization, and the organization, to my political path. We held many conferences, round tables, marches, rallies, and campaigns… By the end of last year [2014], a part of the “Donetsk Republic” segregated itself into a combat wing of right-wing radical youth called “Varyag crew,” which played a special part in the events of the “Russian Spring,” Matyushin told the interviewer.

Matyushin also said that he organized the anti-Ukrainian putsch in Donetsk “by the call of his spirit and blood.”

“We, personally, went there to follow the call of our spirit and our blood. The Russian Spirit. We set out on the path to restoration of the metaphysical [sic] Kitezh Town [mythical sunken town, also referred to as the Russian Atlantis]. We did not see our land as part of Ukraine, and the people supported that strongly. The large number of Russian flags and constant chanting “Russia!” heard at rallies and protests during the “Russian Spring” confirm that,” the interview says.

According to de Krog, he successfully created his own Donetsk squad, “Varyag” [Varangian, Norseman], consisting of like-minded people from Russia and Ukraine.

“At a certain point in my life, when the young republic was in danger, I realized that I would be more useful to my land with a weapon in my hand, rather than in the parliament (I was a deputy of the DNR VS [Supreme Council]), because “history is created not by idle talk and papers, but by iron and blood” (Bismarck) [VoU note: paraphrase of the Otto Bismarck quote “The great questions of the day will not be settled by means of speeches and majority decisions … but by iron and blood”].

Matyushin posing with the Varyag squad flag. The motto reads: More enemies - more honor.

Matyushin posing with the Varyag squad flag. The motto reads: More enemies – more honor.

“So I started creating my squad. Its members were people who have been by my side for many years, on the path to our land’s independence. We also had new members, who were like us in spirit. Plus, Russian volunteers came to our aid… At first, we were part of the [DNR] Ministry of State Security structure. We took part in battles for the [Donetsk] airport, escorted humanitarian convoys along the DNR roads that could come under fire, scouted occupied territories, and captured saboteurs on our land. Right now, we are on duty in the Donetsk city commandant office, ensuring order in the city, and serving as a link between the government and the self-government bodies. In its entire history, the squad lost three men, and four were wounded, myself included,” he went on to say.

When asked about his political views, Matyushin rather openly admits to being “an Orthodox fascist.”

“As you can see, my political path has been long and winding. In the end, I realized that all those ideas of Nazism, liberalism, communism, whatever, are covered in dust and only existing on faraway bookshelves. But viewed with generally accepted theories in mind, I am an Orthodox fascist.”

This statement is a stark contrast against the generally accepted propaganda parrot cry that the population of Donbas has, allegedly, risen to fight fascism. It looks like, in reality, fascists are the “founding fathers” of the DNR, and make no attempts to hide it.

Alexander "de Krog" Matyushin and friends, performing a Nazi salute. The political affiliations of the "DNR" founder (top row, second right) are clear without further comment.

Alexander “de Krog” Matyushin and friends, performing a Nazi salute. The political affiliations of the “DNR” founder (top row, second right) are clear without further comment.

Matyushin believes that the war between Ukrainians and Russians is happening because Ukrainians do not accept the idea of the great empire, and are not Slavic people by blood.

“Russophobia and “anti-imperialism” are the cornerstones of Ukrainian nationalism. Plus, Ukrainians are not Slavic by blood. Compare the folk archetypes of Russian and Ukrainian peoples. In Russian folk tales you see Kyiv the capitol city, Mother Rus, and Russian Bogatyrs [warriors]. Ukrainians, however, have Cossack Mamay, sitting cross-legged in a Turkish manner, wearing Turkish pantaloons and a steppe-dweller hairstyle, playing some weird Asian “Baida” musical instrument called  [VoU note: likely referring to a kobza]. The ideal of Russian beauty are blue eyes and a fair braid. The Ukrainians’ idea are “black brows and brown eyes,” Matyushin says.

Alexander (de Krog) Matyushin is widely known in Donetsk as an organizer of numerous “Russian marches” and a participant of vandalistic anti-Western and anti-Ukrainian events. His social network pages contain many pictures from these events, held in Donetsk from time to time in the past few years.

You can see Alexander Matyushin’s vKontakte page here: https://vk.com/de_krog88

In 2013, de Krog took part in the attack on the Donetsk cultural center “Isolation,” which was visited by the US Ambassador John F. Tefft.

It is also known that Matyushin used to be an activist of the Russian right-wing extremist organization “Russkiy Obraz” [Russian Image]. The combat wing of RO was the so-called “Combat Organization of Russian Nationalists” (BORN), whose members Nikita Tikhonov and Yevgenia Khasis committed a number of national hatred murders in Russia, and are currently serving their sentences in a penitentiary.

Flags of the Donetsk People's Republic and Russkiy Obraz.

Flags of the Donetsk People’s Republic and Russkiy Obraz.

However, while in Russia, members of Neo-Nazi and skinhead gangs are put behind bars, in Donetsk they are issued weapons and given complete freedom of action. Moreover, personalities like de Krog acquire the status of “liberating warriors,” “fathers of the republic” and champions of truth, sacralized by Kremlin propaganda.

This is what it’s like, “anti-fascism,” Putin-style. With a distinct smell of brown.

Source: Ukraine Will Be Free

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Dmitry Tymchuk: Military update 2.17 #FreeSavchenko

information_resistance_logo_engDmitry Tymchuk, Head of the Center for Military and Political Research, Coordinator of the Information Resistance group, Member of Parliament (People’s Front)
02.17.2015
Translated and edited by Voices of Ukraine

Operational data from Information Resistance:

Russian-terrorist troops in Donbas continue grossly violating the terms of the “truce.” Over the last twenty-four hours, the positions of Ukrainian troops and civilian objects were shelled particularly intensely in the Debaltseve and Mairupol directions (the enemy used small arms, tanks, mortars, cannon artillery, and multiple rocket launcher systems [MRLS]). Insurgents, Russian mercenaries, and Russian military servicemen also opened fire in other areas (mainly using 82-mm and 120-mm mortars). We also noted several attempts of Russian-terrorist troops to mount an offensive. Ukrainian troops open fire exclusively in retaliation. In the first half of yesterday (02.16.2015), the Ukrainian side only used small arms (and started using artillery only after mid-afternoon).

Front-line positions of Russian-terrorist forces less than 2km north from Debaltseve, Feb 16. Photo: Max Avdeev

Front-line positions of Russian-terrorist forces less than 2km north from Debaltseve, Feb 16. Photo: Max Avdeev

In the area east of Horlivka, the accumulation of a battalion tactical group [BTG] of Russian-terrorist groups is de facto complete. This BTG is staffed with military servicemen from two brigades of the Russian Armed Forces (place of permanent dislocation – Southern Military District of the Russian Federation), and consists of up to 350 personnel, 15 tanks (2 of which are out of commission and need repairs), approximately 35 combat fighting vehicles, several ZU-23-2 anti-aircraft units (at least 6), and two dozen specialized motor vehicles. This BTG is supported by an artillery unit (six Akatsiya 2S3 self-propelled artillery units, one of which is out of commission).

Another tactical group is deployed in the area of Vuhlehirsk, staffed by local insurgents (mainly from the ‘Vostok’ gang and the former so-called ‘Donbas People’s Militia’ commanded by Ihor Bezler in Horlivka). The group includes up to 150 personnel, 6 tanks, up to 10 CFVs, 2 armored BTS-4 tow trucks, 6 army trucks, 3 jeeps, and 3 buses. Due to technical faults, the group lost one BTR-80 APC and one MT-LB tow truck during the march from Horlivka.

A company tactical group of Russian-terrorist troops, staffed by Russian mercenaries (of non-Slavic appearance) has been transferred to the area of Verhulivka. The group is pointedly offense-oriented (including at least 15 tanks, up to 10 tented army trucks, six 120-mm mortars, two infantry fighting vehicles BMP-2, and one command and control vehicle based on a BTR-80 armored personnel carrier).

Russian-terrorist units are firing on the positions of Ukrainian troops in the area of Debaltseve, from several directions at once, using cannon and rocket artillery. We recorded positions of cannon artillery northwest of Alchevsk; MRLS fire from the area of Stakhanov; firing from positions to the north of Shakhtarsk and northeast of Makiivka; and occasional MRLS activity from the eastern outskirts of Horlivka. Over the last three days, the enemy’s artillery fire in this area became more organized and systematic; it is highly probable that a specialized artillery command point has been set up in this area.

At the same time, a Russian-terrorist artillery group was spotted moving towards Pervomaisk. The artillery group consists of two batteries (one battery of towed D-30 122-mm howitzers, and one of ‘Gvozdika’ 2S1 self-propelled artillery units).

A convoy of enemy armored vehicles and towed artillery arrived from the direction north of Luhansk and passed through the city to its eastern outskirts. The convoy includes approximately 25 units of equipment and 220-250 personnel.

On the territory controlled by the ‘LNR’ [Luhansk People’s Republic], there is another surge of “gasoline wars” between ‘LNR’ [Luhansk People’s Republic] and so-called ‘Cossack’ formations, which control up to 80% of the gas stations south of  Luhansk oblast. Fuel is delivered to these regions from Russia, by one of two methods: in convoys (10-15 gas trucks in each convoys, with an armed escort) and via contraband “pipelines” laid down earlier. The “LNR” leadership demands that the ‘Cossacks’ hand over part of the contraband fuel “for the needs of the republic,” while the ‘Cossacks’ are unwilling to share their “business.” In late January, two gas stations controlled by the ‘Cossacks’ were ‘sabotaged’ and burned down, as a result of an upsurge of this conflict.

Source: Dmitry Tymchuk FB
Related video: A column of fuel tankers from the Russian “humconvoy” is in Makiivka, 02.16.2015

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