Charis Haska: Überfall der Friedenstaube

Charis Haska: Überfall der Friedenstaube

Quelle: https://www.facebook.com/charis.haska/posts/633382583395103?stream_ref=10

Gesprächsthema Nr. 1 heute vor und nach dem Gottesdienst: Russland und seine zu Zombies verwandelten Untertanen. Und der gegen sie entstehende oder wieder aufflackernde Hass. Hass, der aus den Erfahrungen der Verschleppung und Repressionen unter Stalin resultiert.

Ralf hat eine mutige Predigt gehalten. Er konnte nicht umhin, bei der „Wolke der Zeugen“ (Hebräer 12) die Himmlische Hundertschaft zu assoziieren. Conclusio trotz allem: Gott widersteht dem Bösen durch Liebe.

Nach dem Gottesdienst wandte sich ein gepflegter Fremder, etwas älter als wir, in ukrainischer Sprache zunächst an mich, dann an Ralf: Warum wir im Gottesdienst noch die Sprache der Okkupanten benutzen. Ich versuchte zu erklären: Ein großer Anteil der Stammgemeinde hat Russisch als Muttersprache. Ralf gab ihm dann eine vernünftigere Antwort: In der Ukraine wird Ukrainisch u n d Russisch gesprochen.

Ich wollte heute eigentlich nicht schreiben. Jetzt fließt in Charkow Blut. Man versucht, den Schwerbewaffneten zu wehren. „Das selbe Szenario wie auf der Krim. An der Aussprache hört man deutlich, dass es sich bei den Besetzern um Russen handelt, nicht um Leute aus Donezk. Ich als Philologe merke das sofort.“ kommentiert mein Nachbar das, was er im Fernsehen gesehen hat. „Ich bedauere es jetzt, dass unser Staat die Atomwaffen abgegeben hat. Warum schweigt Europa? Drei Länder garantieren per Vertrag die Unteilbarkeit der Ukraine: Gro0britannien, die Vereinigten Saaten und Russland. Und jetzt bricht der Garant selbst über uns herein. Natürlich ist die ganze Ausrüstung noch da, um Atomwaffen herzustellen. Und die Wissenschaftler dazu auch. Aber das braucht drei Jahre. Und wer wird dann die Atomwaffen anwenden? Jetzt, jetzt muss der Terrorist mit klinischen Syndrom gestoppt werden! Sitzen bleiben und sich einbilden, man habe nichts damit zu tun, <Es wird schon nicht zu uns kommen> – das ist eine gefährliche Illusion! Muss Putin erst Polen besetzen, damit Europa begreift, worum es hier geht?“

Mir fällt ein Satz von heute Mittag wieder ein: „Jemand hat gesagt: <Hoffentlich gibt es keinen Krieg!> Was wollt Ihr denn? Merkt Ihr nicht, dass seit Anfang März der Krieg seinen Lauf nimmt? Wollt Ihr abwarten, bis geschossen wird?“

Ich gehe, um Geld zu tauschen. Gestern Abend war der Kurs schon bei 17 Griwna 80 für einen Euro. Bloß dass alle Wechselschalter am Kreschtschatik um 19.30 Uhr schon geschlossen waren, als wir tauschen wollten. Jetzt hat nicht mal mehr der Schalter am Übergang der Luteranska zum Kreschtschatik ein Schild mit dem Kurs draußen hängen. Auch nebenan beim Juwelier ist der Schalter geschlossen. Keine Wechselstelle am Kreschtschatik ist offen. Ich frage in der superteuren Boutique, wo man für 60 Euro ein einfaches buntes Halstuch aus deutscher Herstellung erwerben kann, wieso auch ihr Wechselschalter geschlossen ist. Der Ladenwächter antwortet mir mit milder Stimme nur ein einziges Wort: „Panik.“ Ich verlasse den Laden und steuere die letzten hoffnungsvollen Adressen an.

Auf dem Kreschtschatik fährt eine kleine Wagenkolonne eleganter Luxusgeländewagen, einer mit einem großen Lautsprecher mit rhythmischer, moderner Musik. ich frage zwei junge Mädchen, was für Musik das ist. „Welche Gruppe, das können wir nicht genau sagen. Aber es ist die Hymne des Maidan.“

Ja, trotz der Kälte sind genügend Spaziergänger unterwegs. Ein junges Mädchen wird von einer weißen Taube angeflogen, die gegen Geld zum Streicheln und Fotografieren bereit gehalten wird. Nur mit Mühe kann es sich von der Attacke befreien.

Der Lautsprecherwagen kommt zurück, jetzt spielt er die Nationalhymne. Mir kommen die Tränen.

In der Passage werde ich schließlich fündig, als ich mich daran erinnere, dass man beim Mobilfunkanbieter MTS früher an der Kasse tauschen konnte. Unfreundlich wechselt mir die Kassiererin meine 100 Euro, ich muss aber meinen Namen angeben und unterschreiben. Womit denn die Leute bezahlen, die keine Valuta haben, frage ich. „Sie bezahlen mit Griwna. Was wollen Sie? Wenn Sie uns Euro bringen, bekommen Sie dafür Griwna!“
Auf dem Bürgersteig liegen vier neonfarbige, langstielige Plastiknelken verstreut.

Für einen Laib ukrainisches Mischbrot und einen Laib Weißbrot bezahle ich im Supermarkt um die Ecke 6 Griwna 26. Diesmal merke ich mir den Preis, für den Fall, dass ich im Lauf der Woche mit Kopeken aus meinem Sammelglas bezahlen muss.

Posted in "Voice" auf Deutsch, Crimea, South&Eastern Ukraine | Tagged , , , , , , , , , , , | 1 Comment

Ansprache des amtierenden Präsidenten Oleksandr Turtschynow an das ukrainische Volk

Turtschynow: Das Blut ukrainischer Helden floss in einem Krieg, den die Russische Föderation gegen die Ukraine führt. Dies ist kein Krieg zwischen Ukrainern. Es ist eine künstlich geschaffene konfrontative Situation, deren Ziel die Schwächung und Vernichtung der Ukraine ist.

Quelle: Website des Ukrainischen Parlaments, 13. April 2014 um 18:30 Ortszeit
Übersetzung aus dem Ukrainischen: Tobias Ernst – Fachtexte vom Profi

Ansprache des amtierenden Präsidenten der Ukraine, des Parlamentspräsidenten Oleksandr Turtschynow an das ukrainische Volk

O. Turtschniow, Amtierender Präsident der Ukraine

O. Turtschniow, Amtierender Präsident der Ukraine

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Heute ist ein hoher christlicher Feiertag – der Tag des Einzugs unseres HERRN in Jerusalem. Als ER in diese Stadt einzog, schallten IHM Hosianna-Rufe entgegen, man breitete Kleider und Palmzweige zu seinen Füßen aus. Nur wenige Tage später forderten dieselben Menschen, IHN zu kreuzigen.

Höchst bedauerlicherweise liegt auf dem heutigen Feiertag der Schatten von Aggression und Blut. Gestern Abend haben terroristische Gruppierungen, die von der Russischen Föderation koordiniert werden, die Verwaltung des Innenministeriums und weitere Verwaltungsgebäude in mehreren Städten in der Oblast Donezk besetzt.

Besonders gefährlich waren die Vorgänge in der Stadt Slowjansk, wo professionell ausgebildete Kämpfer am Werk waren, die russische Tarnanzüge trugen und mit russischen Maschinengewehren bewaffnet waren.

In Slowjansk wurden heute Morgen Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, die die Aufgabe hatten, an diesem Feiertagssonntag die Bürger zu schützen, mit Maschinenwaffen beschossen. Die Verbrechner eröffneten einen Feuerschlag, wobei sie sich hinter einem menschlichen Schutzschild aus von der russischen Propaganda in die Irre geführten Anwohnern versteckten.

Bei dieser Operation kam der Hauptmann des SBU-Sondereinsatzkommandos „Alpha“ Gennadi Bilitschenko ums Leben. „Alpha“-Kommandant Oberst Kusnietsow und SBU-Oberst Kuks wurden schwer verletzt. Ebenfalls verletzt wurde der MI-Mitarbeiter Selichow.

Das Blut der ukrainischen Helden floss für unser Land, für eine geeinte, souveräne, unteilbare Ukraine.

Das Blut floss in einem Krieg, den die Russische Föderation gegen die Ukraine führt. Der Aggressor hat nicht innegehalten und fährt fort, Unruhen im Osten des Landes zu organisieren.

Dies ist kein Krieg zwischen Ukrainern. Es ist eine künstlich geschaffene konfrontative Situation, deren Ziel die Schwächung und Vernichtung der Ukraine ist. Aber schlussendlich wird dies unsere Feinde schwächen. Russland wird heute von der gesamten zivilisierten Welt verurteilt.

Wir haben alles getan, um menschliche Opfer zu vermeiden. Aber wird sind bereit, allen Versuchen von Invasion, Destabilisierung und terroristischen Akten mit der Waffe in der Hand Widerstand zu leisten.

Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat hat beschlossen, eine groß angelegte Antiterror-Operation unter Hinzuziehung der Streitkräfte der Ukraine durchzuführen. Wir lassen nicht zu, dass Russland das Krim-Szenario im Osten der Ukraine wiederholt.

Jedem, der nicht auf unsere Sicherheitskräfte geschossen hat, seine Waffen niederlegt und bis Montagmorgen die besetzten Verwaltungsgebäude verlässt, habe ich in einem von mir unterzeichneten Dekret Straffreiheit zugesichert.

Wir sind bereit, Fragen wie eine wesentliche Ausweitung der Kompetenzen der Regionen und eine umfassende Reform der kommunalen Selbstverwaltung sowie eine Erneuerung der Staatsgewalt vor Ort zu prüfen.

Aber jeder, der zur Unterstützung der Aggressoren und Okkupanten einen bewaffneten Kampf gegen unser Land führt, wird zur Verantwortung gezogen und bestraft werden.

Ich wende mich an alle Mitbürger im Osten unseres Landes – lassen Sie sich nicht in einem zynischen und fremden Krieg gegen das eigene Land instrumentalisieren. Unterstützen Sie nicht jene, die Frieden und öffentliche Ordnung zerstören möchten und Ihre Region in den Abgrund einer wirtschaftlichen Katastrophe, in den Abgrund eines Bürgerkriegs treiben.

Allen, die die Ukraine verteidigen möchten, möchte ich sagen: Das Wichtigste ist jetzt, die Lage im Land nicht zu destabilisieren, dem Feind und seinen Agenten nicht in die Hände zu spielen, deren Ziel es ist, die Wahlen platzen zu lassen, die Regierung zu stürzen, eine Situation des Chaos und der Unlenkbarkeit zu schaffen.

Ich wende mich an jeden einzelnen Ukrainer: Im Angesichte dieser externen Aggression müssen wir zusammenhalten.

Ein jeder muss tun, was in seiner Macht steht, um Panik zu stoppen und zu verhindern, dass die Gesellschaft in einen Bürgerkrieg gezogen wird.

Nur gemeinsam, nur wenn wir gegenseitige Unterstützung spüren, werden wir alle heutigen Probleme überwinden. Ich glaube daran, dass dies gelingen wird.

Der HERR segne die Ukraine und einen jeden unter euch.

Posted in Deutsch, Deutsch news, Voices of Revolution, "Voice" auf Deutsch, Languages, South&Eastern Ukraine, Regіons | Tagged , , , , , , , , , , , , , , | 3 Comments

Inside Slov’ians’k – April 13, 2014

Image

 

Facebook Status Update by Ukrainian Activist Zorian Shkyriak (Translated by William Risch)

We got out of Slov’ians’k.  Brief description.  It’s murky.  The atmosphere in town is like a movie about World War II.  I can tell you with full certainty that a special operation by the Main Intelligence Operations (GRU, affiliated with the Russian Army – translator) took place there.  Separatists had blocked off the city from all sides.  The local authorities are saboteurs, traitors, and criminals’ henchmen.  There are  two echelons at the separatists’ block posts.  The first one is made up of elderly people, women with icons, etc.  Behind them are out-and-out hoods, wearing helmets, holding bats and pistols.  It’s awful to say this, but a lot of them are simply people poisoned by Russian propaganda.  There are drunks and completely indecent types.  And then a regular army in fact stands in the perimeter behind those block posts and barricades.  “Little green men,” terrorists in infantry camouflage calmly wander around with automatic rifles, grenade launchers, and machineguns.  They are aggressive to the extreme.  They don’t care if it’s women or old people.  They search them and beat them up.  In a word, they’re occupiers and barbarians (I said this live on Espreso TV).  What makes the anti-terrorist operation complicated is that there could be collateral damage.  So not everything looks as simple as it seems.  I could imagine things could be like this, but I never imagined such open displays of fascism and banditry in Ukraine.  So that you understand what’s going on, separatists searched our car six times.  To go through town, we had to hide our vehicles and wear scarves up to our ears and raise up our collars, because we always looked suspicious to the militants… It was something unreal…  On the other hand, we had the opportunity to talk with many residents.  They were terrified, disoriented, but they are against the separatists.  They are against the occupiers.  Thus, let’s not lose hope. We need to work with people.  I’ll tell you straight out, in Kyiv this looks like a “movie,” but when you get here, you understand that this is another reality, a frightening one. Right now we are in Kramotors’k.  We went to get something to eat.  Here, too, GRU agents seized the local police station, the Security Services of Ukraine (SBU), and the town council executive committee, but right now, only the most fanatic town residents and rabble support them, and there aren’t many of them.  Thus, the situation in Kramators’k is much more peaceful, and you don’t feel the state of panic and rushing around that’s in Slov’ians’k.  We’re driving on. I want to go through all of the Donets’k Region, down to Mariupol’ so that I can see and figure out the complete picture of what’s going on here.  But there’s one conclusion I can make without any more doubts – it’s the Kremlin, the Federal Security Services (FSB) of Russia, and the GRU.  Let’s hang on and fight for Ukraine’s unity and harmony!  And there are no doubts that they won’t break us up; we’re going to win!  I will try to provide further information later.

Posted in Regіons, South&Eastern Ukraine | Tagged , , , , , | 1 Comment

EuromaidanSOS: Sanctions are not enough!

chornajuravka's avatarEuromaidan PR

sos

Appeal of Ukrainian civil society to the EU Foreign Ministers meeting in Luxemburg tomorrow.

As EuromaydanSOS noted on 12 April 2014, Russia started its invasion of mainland Ukraine, in a clear parallel to developments in Crimea. See the statement here.

Please take it seriously that these attacks on administrative buildings in Eastern Ukraine are conducted by well trained, coordinated armed personnel – these are NO spontaneous protesters. This video from Kramatorsk (Donetsk Region), for instance, shows how a trained commando with automatic rifles tries to overwhelm a police station, later brings a group of about 50 mobsters that are seemingly supposed to overtake the police station.

View original post 608 more words

Posted in Reblogged | Leave a comment

Residents of Mariupol Protected the Local Police Department From the Separatists

chornajuravka's avatarEuromaidan PR

In Mariupol, a group of 100 citizens organized itself into a self-defense unit and protected  the building of the local administration of the Ministry of Interior Affairs from an attack by separatists.  A couple of hundred separatists attacked the members of the self-defense group. The separatists used both explosion packages and stun grenades, and they beat up women.  According to journalists, 11 pro-Ukrainian activists have been hospitalized. The militia did not interfere in the fight. At the moment, the building of the Ministry of Internal Affairs is functioning normally; the separatists did not succeed in capturing it.

View original post 6 more words

Posted in Regіons, South&Eastern Ukraine | Leave a comment