Emil Terjochin (Moskau): In einem zu kurzen Zeitraum wurden die Sprossen des Hasses gepflanzt

Emil Terjochin (Moskau): In einem zu kurzen Zeitraum wurden die Sprossen des Hasses gepflanzt

Quelle: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=544100055711494&id=100003345146684

Übersetzung: Voices of Ukraine

3.05.2014

Heute war ich auf einem einzelnen Streikposten am Denkmal von Schukow.  Auf meinem Plakat stand: “Putins Macht mordet die Menschen in der Ukraine.” Seit vielen Jahren war ich zu den einzelnen Streikposten gekommen, aber an eine solche Aggression, der ich heute begegnete, konnte ich mich nicht erinnern. Es war ein Gefühl  als ob ich vor einem Käfig mit verhungerten Hyänen stehe. “Raus!Weg! ihr alle solltet verhaftet werden. Putin ist gut und ihr alle seid Landsverräter…” Und das war nicht das Schlimmste, denn viele waren begierig auf einen Kampf, mein Plakat zu zerreißen (und es waren keine Provokateure, sondern gewöhnliche Menschen). Die Aktivisten standen wortwörtlich als eine Mauer vor ihnen. Ich versuchte in der Mitte der Leuten zu handeln, zu erklären, dass sie wegen ihrer Agression in die Hände der Polizei geraten könnten. Bei Anderen versuchte ich mit einigen ein Gespräch zu führen und unsere Position zu erklären…

Das heute war ein echter Kampf gegen eine unrealistisch große Masse, die an alles, was das Fernsehen sagt, glaubt. An einem gewissen Punkt machten wir einen Verteidigungsgürtel, das war die einzige Möglichkeit für das Recht zu sprechen. Ich möchte ein großes Dankeschön an alle Aktivisten sagen, die da waren. Ich begann sie noch mehr zu bewundern, weil sie nicht zurückschreckten.

Was die Aggression der anderen angeht: das, was Angst macht, ist die Tatsache, dass die Medien einer Menge Leute ein neues Bild der Ukrainer einflößen konnten: das Bild von Mördern, Faschisten, “Banderowez” (Banditen). In einem relativ kurzen Zeitraum wurden alle angenehmen Gefühle gelöscht und an ihrer Stelle die Sprossen des Hasses ordentlich gepflanzt. Oder eher: die in Russland angestammte Sehnsucht “irgendjemand zu hassen” waren die Medien in der Lage gewesen, in Richtung Ukraine zu lenken.

Ukrainer, wenn ihr dies lesen werdet. Ich könnte jetzt schreiben, dass nur der Kreml einen Krieg wolle, dass die einfachen Russen dagegen seien. So wäre es mir als einem Russen lieber, aber das wäre lediglich das Wunschdenken. Viele Russen unterstützen die Macht, verachten euren Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit. Dies ist die Wahrheit. Denkt über uns, was ihr wollt, wir haben es verdient.

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5 Responses to Emil Terjochin (Moskau): In einem zu kurzen Zeitraum wurden die Sprossen des Hasses gepflanzt

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  2. justice says:

    Diesen Artikel lesen auch Deutsche, deren geistiger Horizont über den Rand einer Teetasse hinausgeht. Unter dem Aspekt des logischen Verständnisses, tauchen einige wichtige Fragen zum Verstehen des Zusammenhangs und der Hintergründe auf.

    Warum in einem zu kurzen Zeitraum? Bedeutet nicht jeder Zeitraum, in dem Sprossen des Hasses gepflanzt werden, die Verschwendung von Wertvollem und das Blockieren von fruchtbaren Beziehungen?

    Wo befindet sich das Denkmal von Schukow und wozu gibt es seit Jahren Streikposten?

    Welche Aktivisten standen wortwörtlich wie eine Mauer vor wem und wo (Ortsangabe)?

    Ab wann wurden (angeblich) alle angenehmen Gefühle gelöscht?

    Wieviele Russen unterstützen die Macht (verlässliche Umfrageergebnisse?)?

    Ist es wirklich egal, was Ukrainer über Russen denken?

    • jawails says:

      Es geht wieder darum, was so viele Deutsche nicht sehen wollen — und deswegen auch noch immer nicht verstehen. Viele Beiträge aus Russland erzählen mehr oder weniger dasselbe.
      Die Antworten auf Ihren Fragen:
      — Warum in einem zu kurzen Zeitraum? Bedeutet nicht jeder Zeitraum, in dem Sprossen des Hasses gepflanzt werden, die Verschwendung von Wertvollem und das Blockieren von fruchtbaren Beziehungen?
      Die antiukrainische Propaganda in Russland, über die der Autor redet, ist ungefähr 6 Monate alt. 6 Monate — ein sehr kurzer Zeitraum.
      — Wo befindet sich das Denkmal von Schukow und wozu gibt es seit Jahren Streikposten?
      Es ist nicht wichtig, wo das Denkmal sich befindet. In Moskau. Die einzelnen Streikposten sind schon seit Jahren die einzige erlaubte Pritestform in Russland. Der Autor sagt, dass er diese Form des Protests genau seit Jahren praktiziert.
      — Welche Aktivisten standen wortwörtlich wie eine Mauer vor wem und wo (Ortsangabe)?
      Die Aktivisten, die durften nicht zu nahe zum Protestierenden stehen, damit der Protest sein “privaten” Charakter nicht verliert, die wollten aber den “einzelnen” Protestierenden unterstützen und zumindens vor der Agression schützen.
      — Ab wann wurden (angeblich) alle angenehmen Gefühle gelöscht?
      S.o.
      — Wieviele Russen unterstützen die Macht (verlässliche Umfrageergebnisse?)?
      Die (auch hier schon manchmal zitierte) Umfragen sagen, dass ca. 80% der Bürger der RF unterstützen die Agression gegen Ukraine.
      — Ist es wirklich egal, was Ukrainer über Russen denken?
      Der Autor hat das nicht gesagt, dass es egal sei.

      • justice says:

        Ich mag auch keine anti-russische Propaganda, die mir scheint, durch den Autor des Artikels und von Ihnen “jawails” betrieben zu werden.

        – Woher wissen Sie, dass der Autor sechs Monate meint, und warum gerade dieser Zeitraum, zumal das Janukowitsch-Regime dann noch am Machtruder stand?
        – Ich entscheide mit meiner Freiheit des Denkens, wo ich Prioritäten setze und was mir wichtig ist … und es ist meine Freiheit, Fragen zu stellen!
        – STREIKPOSTEN IN RUSSLAND (was ich von Ihnen wissen wollte)
        Artikel 31 der Russischen Verfassung besagt:
        “Die Bürger der russischen Föderation haben das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln, Kundgebungen, Demonstrationen und Umzüge durchzuführen sowie Streikposten aufzustellen.”
        – Bei wem und von wem wurden (angeblich) alle angenehmen Gefühle gelöscht?
        – ca. 80% der Bevölkerung in der RF sind gegenüber der Ukraine aggressiv eingestellt? Ihrer Behauptung steht gegenüber, dass ca. 75 % der russischen Bevölkerung dem orthodoxen Glauben angehören und an der Ausarbeitung der Russischen Erklärung der Menschenrechte, die 2006 vom Weltkonzil des Russischen Volkes beschlossen wurde, hatte die russische orthodoxe Kirche wesentlichen Anteil.
        – Zitat: “Denkt über uns, was ihr wollt, wir haben es verdient.” Damit drückt der Autor unmissverständlich aus, dass es egal bzw. bedeutungslos sei, was Ukrainer über Russen denken. Wie kann sich der Autor erdreisten, im Namen aller Menschen russischer Nationalität zu schreiben? Was soll dieser Unfug?

      • tftranslate says:

        Ich bin nicht “jawails”, aber wir von VoU insgesamt versuchen, kritische Stimmen über das Stimmungsbild in der russischen Bevölkerung Bevölkerung nur dann zu verbreiten, wenn diese wie vorliegend von Russen geäußert werden. Russen haben das Recht, ihre Landsleute zu kritisieren, wir als Ukrainer und ukrainephile Deutsche nehmen uns dieses Recht nicht heraus und kritiseren nur die Politik von Vladimir PUtin. Propaganda wäre, es, wenn wir eigene Asusagen verbreiten würden, die die russische Bevölkerung in ein schlechtes Licht stellen. Das tun wir nicht, wir treten für Völkerfreundschaft ein.

        Zu glauben, dass 75 % der russischen Bevölkerung der orthodoxen Kirchen angehören und deswegen automatisch für menschenrechte und eine unabhängige Ukraine eintreten, ist aber völlig blauäugig. Die von Patriarch Kyrill favorisierte Idee, alle orthodoxen (rechtgläuben) Slawen auf einem gemeinsamen Staatsgebiet zu vereinen, ist doch der kirchliche Persilschein für Wladimir Putins imperialistische Politik. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in der russisch-orthodoxen Kriche – neben zahlreichen Geistlichen, die ich aufs Höchste respektiere – leider eine Gruppe von Hasspredigern gibt, die gezielt das vom Kreml gewünschte Stimmungsbild in der Bevölkerung verbreiten. Dazu gehören Thesen wie “Die Krimtataren nehmen den rechtgläubigen Russen ihren Boden auf der Krim weg” oder “Die Studenten, die am 29. November von Janukowitsch blutig vom Maidan vertreiben wurden, sind Gewürm, das sich selbst auffressen soll, mit denen wir kein Mitleid haben”, die leider, leider auch von Kanzeln der russisch-orthdoxen Kriche gepredigt werden. Das ist kein Bashing gegen diese Kriche als ganzes, nur ein Hinweis darauf, dass Krichenmitgliedschaft allein noch gar nichts beweist, die Kriche ist in Russland und der Ukraine genauso von den politischen Strömungen in der der Ukraine betroffen wie die nichtgläubigen Menschen.

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