Krim-Geschichten – Nr. 5

Liebe Freunde, heute publizieren wir noch eine Kurzgeschichte aus der Serie „Krim-Geschichten“: Also hier Geschichte Nr. 5: „Ich erzähle sie, weil auf dem Festland gefragt wurde, warum wir uns nicht wehrten …“

Ich lebe auf der Krim und möchte in dieser Kurzgeschichte erzählen, wie ich die „Grünen Männchen“ kennenlernte und wie diese uns besetzt haben. Ich erzähle diese Geschichte, weil auf dem Festland gefragt wurde, warum wir uns nicht wehrten …

Es geschah kurz vor dem „Referendum“. Ich arbeitete in einem so genannten strategischen Unternehmen. Es war ein ganz normaler, geschäftiger Arbeitstag. Plötzlich am Nachmittag hörte ich Knalle. Es war mir nicht wirklich klar, was draußen vor sich ging. Ich verließ meinen Büroraum und sah Menschen flach auf dem Flurboden liegen, während ein Schatten ins Wartezimmer huschte. Ich erschrak und schloss die Zimmertür von innen ab. In einer Minute hörte ich: „Öffne die Tür, du Hündin, ich werde schießen!“ Ich kam leise an die Tür heran, öffnete und sah ein „Grünes Männchen“ mit einer Kalaschnikow vor mir stehen.

„Grünes Männchen“

„Grünes Männchen“

Innerhalb von einer Sekunde (ich muss sagen, dass alles ziemlich professionell gemacht war und ich kaum kapieren konnte, was passierte) stürzte er rein, packte mich am Kragen und schlug mich gegen die Wand. Ich muss sagen, ich verstand nicht so recht, warum mir die Ehre eines Schlags mit dem Kalaschnikow-Kolben zuteil wurde. Ich wiege keine 50 kg, und der Mann war dreimal so groß wie ich. Er trug eine Uniform, war ohne Maske, aber voll ausgestattet – sogar mit Granaten. Er sagte: „Zum Ausgang!“ und drückte mir den Lauf seiner Waffe in den Rücken.

Ich wurde in ein Zimmer geführt, wo alle Anderen aus dem Gebäude schon versammelt waren. Es gab wenige Stühle und viele mussten stehen. Unsere Handys wurden uns abgenommen, das Licht samt Internet abgeschaltet. Niemand erklärte uns irgendetwas, und es war uns nicht gestattet, zu sprechen. Sie wiederholten die ganze Zeit, dass wir schweigen sollten. Frauen durften auf die Toilette nur in Begleitung von Soldaten, wobei die Klotür stets geöffnet bleiben sollte. Die ganze zeigt sagten sie, dass sie solche wie uns, Frauen, die sie in die Luft sprengen wollten, schon anderswo gesehen hätten. Ich hatte den Eindruck, dass die Kerle bereits einiges miterlebt hatten. Kurz danach sahen die Soldaten unsere Computer durch, ob nicht zufällig jemand eine Nachricht über diese Willkür in den sozialen Netzen abgesetzt hätte.

Nebenan rannte die „Selbstverteidigung“. Schwächliche, aber sehr sehr selbstzufriedene Jungs, die sehr stolz auf sich waren. sie standen einfach nur herum, für alle Fälle.

Wir Frauen wurden 1,5 Stunden festgehalten und dann vom Firmengelände weg gebracht. Die Männer Männer wurden bis zum Abend im Gebäude festgehalten. Nachdem wir freigelassen worden waren, sah ich einen Ring aus Polizisten, die friedlich dastanden und beobachten, wie die „Grünen Männchen“ Ihr Ding durchzogen. In dem Moment verstand ich, dass uns niemand fragen wird, ob wir zu Russland wollen oder nicht.

Glauben Sie mir, dieses „Referendum“ ist so etwas wie eine Vorzeigeshow für Schaulustige. Auch wenn überhaupt niemand gekommen wäre, wäre bekanntgegeben worden, dass alle einmütig für den Anschluss gestimmt hätten. Sie können mir glauben, dass wirklich wenige Leute zur Abstimmung erschienen waren. Ich beobachtete das selbst aus dem Fenster und fragte andere. Manche sind auch hingegangen und viele haben dagegen gestimmt, doch das alles war ohne Bedeutung. Deswegen … genau deswegen möchte ich unsere Landsleute, die immer noch als solche gelten, bitten, nicht alle Krim-Bürger als Verräter abzustempeln.

Quelle: Facebook vom 22. April; Odna Krajina
Aus dem Russischen von Voices of Ukraine

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