Ulrich Speck: Wie war das gleich mit Schröder, Putin und den Geiseln?

Ulrich Speck schreibt auf Facebook:

Das neue Narrativ: Gerhard Schröder hat bei Putin die Freilassung der OSZE-Beobachter erwirkt. Es gibt keinerlei Beweis dafür, aber so wird es dargestellt.

Ein alternatives Narrativ, für das es ebenfalls keine Beweise gibt, könnte so aussehen: Putin hat die OSZE-Beobachter gefangen nehmen lassen, um die OSZE einzuschüchtern — sie daran zu hindern, in die umkämpften Zonen zu gehen. Nachdem dieser Punkt gemacht war, waren die Gefangenen nutzlos. In diesem Moment bat Gerhard Schröder Putin um ein Zeichen. Der Ex-Kanzler war in Deutschland für seine Nähe zu Putin zunehmend unter Druck geraten, sogar in seiner eigenen Partei. Schröder brauchte dringend etwas, um in Deutschland als jemand dazustehen, der im deutschen Interesse mit Putin spricht — und nicht etwa in Putins Interesse die deutsche öffentliche Meinung bearbeitet. Die Freilassung der OSZE-Gefangenen bot sich da an. Aus Putins Sicht waren die Gefangenen nutzlos geworden. Dagegen war das Interesse Putins daran, Schröder als prominenten Befürworter der Putin-Politik in Deutschland zu erhalten, mit der Ukraine-Krise noch massiv gewachsen. Da passte die Freilassung gut ins Konzept. Allerdings durfte diese Verbindung — Schröder-Besuch und Freilassung — nicht offiziell gemacht, denn damit hätte man ja zugegeben, dass Putin die Geiselnehmer kontrolliert hat.

Für beide Versionen gibt es keine Beweise. Beide sind gleichermaßen plausibel. Nur eine Version jedoch wird in Deutschland diskutiert, die erstere.

Ulrich Speck

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