Informationskrieg 2.0

Verfasst vom Voices-of-Ukraine-Team

Man spricht schon seit Wochen darüber, dass in der Ukraine längst ein Krieg geführt wird. Ein Krieg, der nie erklärt wurde, aber angeblich seit spätestens 20. Februar 2014 tatsächlich geführt wird. (Hier sollte man an die Medaillen denken, die einige russische Soldaten bekommen haben sollen dafür, dass sie die Krim „befreit“ haben. Als Anfangsdatum des Einsatzes wurde der 20. Februar 2014 in die Medaillen eingraviert.) Wo ein Krieg herrscht, wird selten Gerechtigkeit erwartet; da wird mit vielen harten Mitteln um den Sieg gekämpft. Trotzdem sollten sogar in einem Krieg immerhin manche Grenzen hinsichtlich der akzeptablen Mittel eingehalten werden. Diese Erwartung betrifft sowohl die eingesetzten Gewaltmittel, wie auch den Umgang mit der Wahrheit. Jedenfalls wünscht man sich das … Wo aber ein so genannter „hybrider Krieg“ herrscht, scheinen die letzten Grenzen zwischen akzeptabel und abscheulich zu verwischen.

Hier ein schönes Beispiel dafür, wie der russische Geheimdienst „Nachrichten“ verbreitet. Dieser angebliche Arzt hat sein Facebook-Profil vor ungefähr 24 Stunden erstellt. [Edit vom 5.5.: Inzwischen hat er ese wieder gelöscht.] Das hat er zweifellos nur dafür gemacht, um die Reine und Wahre Wahrheit unter die Leute zu bringen. Dabei hat dieser „Wahrheitsbote“ sich nicht davor gescheut, die Tatsachen ganz verkehrt darzustellen. Während es Videobeweise dafür gibt, dass proukrainische Aktivisten ihre politischen Gegner, die Separatisten, aus dem brennenden Gebäude retteten, behauptet dieser Arzt, von angeblichen antisemitischen Ukrainern verprügelt und vom Helfen abgehalten worden zu sein. Was der Kreml in Sachen Propaganda zurzeit macht, ist echt zum …

Hier ist die Information, die dieser Arzt zu verbreiten sucht (original auf Englisch): https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1375166499437424&id=100008322601683. Edit vom 5.5.: Da der vorstehende Link nicht mehr funktioniert, hier eine Kopie des Textes, der weiterhin im Internet kursiert:


Hallo, mein Name ist Igor Rosovskij, ich bin 39 Jahre alt und lebe in der Stadt Odessa. Seit 15 Jahren arbeite ich als Notarzt im Rettungsdienst.
Sie wissen, dass Gestern in unserer Stadt eine schreckliche Tragödie sich ereignet hat, Menschen haben Menschen getötet. Getötet wurden sie brutal – lebendig verbrannt. Nicht unter Alkoholeinfluss, nicht wegen Omas Erbe, nur deshalb, weil sie nicht die politische Ansichten der Neonazis teilten. Erst wurden sie brutal verprügelt, dann verbrannt.
Als Arzt habe ich mich beeilt denen zu helfen die man noch retten konnte, aber die Schläger haben mich nicht gelassen, versperrten mir den weg. Einer von denen hat mich grob weggeschupst, und versprach mir, dass mich und die anderen Juden aus Odessa dasselbe Schicksal erwarte.
Ich habe einen jungen Mann gesehen, den hätte man retten können, wenn ich ihn ins Krankenhaus hätte mitnehmen können. Die versuche mit den Schlägern zu Reden, wurden mit dem Schlag ins Gesicht und dem Verlust meiner Brille beendet.
In den 15 Jahren habe ich einiges gesehen aber gestern wollte ich weinen, nicht von den Schmerzen oder Erniedrigung, sondern wegen der Machtlosigkeit, dass ich nicht helfen kann.
In meiner Stadt hat sich etwas ereignet, das gab es nicht mal während der faschistischen Okkupation.
Ich frage mich, warum schweigt die Welt?

Update 1: Es gibt Hinweise darauf, dass das Foto auf diesem Profil eigentlich von einem Zahnarzt(!) im Gebiet Stawropol (Russische Föderation) stammt. Das Bild wurde scheinbar ohne Kenntnis oder Einwilligung der betreffenden Person verwendet.

Update 2: Zurzeit verbreitet sich diese Information vom angeblichen Arzt des Ambulanzdienstes in Odessa wie wild durch das russische Internet. Am stärksten führt der Kreml den Informationskrieg mit der eigenen Bevölkerung. Kein Wunder, dass geschätzte 70-80 % der russischen Bürger einen möglichen konventionellen Krieg mit Ukraine befürworten werden, sollte es tatsächlich dazu kommen.

Sicherlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis auch deutsche „Newsoutlets“ diese Nachricht verbreiten werden. Genau wie etwa Spiegel Online gestern die Nachricht verbreitete, der Gouverneur von Odessa habe das Verbrennen von Menschen bei lebendigem Leib für legal erklärt, wohingegen der Facebook-Post des Gouverneurs, auf den sich der Spiegel bezieht, von etwas anderem handelt (nämlich dem Recht auf Privatfestnahme) und gepostet wurde, bevor das Gewerkschaftsgebäude überhaupt brannte, und auch der Applaussturm in den ukrainischen sozialen Netzen für die wackeren Fussballfans, von dem der Spiegel berichtet, durch die Netze rollte, bevor das Gewerkschaftsgebäude brannte. Davon, dass alle Ukrainer tief betroffen über die Opfer sind und in Odessa eine dreitägige Trauer verhängt wurde, verliert Spiegel Online kein Wort.

In diesem Krieg wird mit allen Mitteln gekämpft, da wird auch Wahrheit zu einem willkürlich einsetzbaren Mittel. Die oben angesprochenen Fälle machen das sehr deutlich.

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2 Responses to Informationskrieg 2.0

  1. justice says:

    Es ist schon sehr skurril, was unkrainebezogen widergeSPIEGELt wird.

    Am Besten, man fährt selber in die Ukraine und macht dort Urlaub.

    … ohne Gasmaske, Helm und Baseballschläger.

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