Jüdische Gemeinde rettet Torarollen vor russischen Besatzern und Antisemiten auf der Krim

21. März 2014, 16:02

Rabbi Mihail Kapustin Foto: an.crimea.ua

Rabbi Mihail Kapustin
Foto: an.crimea.ua

Der oberste reformjüdische Rabbiner der Krim Mihail Kapustin ist aus Furcht vor der in Folge der Annexion der Krim stark angestiegenen antisemitischen Stimmungslage aus Simferopol nach Kiew geflohen.

„Unsere Stadt Simferopol ist von russischen Truppen besetzt! Helft uns, rettet unser Land, rettet die Ukraine! Bittet Eure Regierungen um Hilfe. Wir fühlen uns Russland hilflos ausgelifert!, schreibt Mihail Kapustin nach Angaben der israelischen Site Cursor.

Von der Gefahr, die den Juden im Zusammenhang mit der russischen Invasion der Krim droht, berichtete der seit 2007 in Simferopol tätige Rabbiner Kapustin auch in einem Interview mit der in Deutschland erscheinenden Zeitung „Jüdische Allgemeine“.

In der Nacht auf den 28 Februar, , kurz nach dem Einfall der russischen Truppen auf die Krim, beschmierten unbekannte Vandalen die Wände der refomjüdischen Synagoge „Ner-Tamid“ in der ul. Sergejewa-Zenskogo in Simferopol in russischer Sprache mit den Worten „Tod den Juden!“ (Für „Jude“ wurde nicht das neutrale russische Wort „Jude“, sondern ein abwertendes Schimpfwort verwendet, A.d.Ü.)

Gemeldet hatte diesen Vorfall hatte der Vorsitzende der Assoziation der jüdischen Organisationen und Gemeinden der Krim Anatoli Genin. Nach Worten Gendins wurden die Türen und Fassaden der Synagoge mit Hakenkreuzen und dem Schriftzug „Tod den Juden“ verunstaltet. Genin betonte außerdem, dass dies die erste derartige antisemitische Aktion seit Erlangung der Unabhängigkeit durch die Ukraine (1991) war und sie bereits während der (russischen) Besatzung der Halbinsel Krim stattfand.

Auch die Gesandten der Simferopoler Chabad-Organisation Jitzchak Meir-Lifschitz und seine Ehefrau Leja haben die Krim verlassen. Derzeit leiten sie die größte Gemeinde auf der Krim nach ihren Worten aus der Ferne.

Rabbi Lifschitz erfuhr bei seiner Rückkehr auf die Halbinsel aus den USA von den Unruhen im Zentrum der Hauptstadt der Krim. In Moskau teilte man ihm mit, dass der Flughafen von Simferopol von bewaffneten Kräften blockiert sei. In dieser Situation fiel die Entscheidung, die in der Beit-Chabad von Simferopol befindlichen Torarollen in Sicherheit zu bringen und von einem weiteren Aufenthalt der Gesandten des Lubawitscher Rebbe auf der Halbinsel bis auf Weiteres Abstand zu nehmen.

Leja Lifschitz konnte mit Hilfe von Freunden aus dem Donbas-Gebiet ein Ticket für den (A.d.Ü.: letzten, wie andere Quellen melden) Zug von Simferopol nach Donezk ergattern und die Torarollen vor den prorussischen Chauvinisten retten, die jederzeit ein Pogrom in der Beit-Chabad verüben könnten.

Quelle: Glavnoe, ArgumentUA
Übersetzung aus dem Russischen: Tobias Ernst

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2 Responses to Jüdische Gemeinde rettet Torarollen vor russischen Besatzern und Antisemiten auf der Krim

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