Charis Haska: In der Nacht war noch einige Male Knallen zu hören

Charis Haska: In der Nacht war noch einige Male Knallen zu hören

Quelle: https://www.facebook.com/charis.haska/posts/609165279150167?stream_ref=10

Regenwetter

In der Nacht war noch einige Male Knallen zu hören.

ca. 6.00 Uhr: Die Ukrainska Prawda meldet, dass in der Nacht versucht wurde, erneut in die KiewRada (Rathaus) einzudringen. Den Leute von der Swoboda sei es aber im letzten Drittel der Nacht gelungen, die Situation zu beruhigen. Eine Erklärung für die Zwischenfälle war, dass viele Demonstranten durch die Räumung der KiewRada ihr Nachtquartier verloren haben. Durch die Meldung stelle ich fest, dass ich von zwei weiteren Gruppierungen bislang nichts wusste, sie heißen “Wiking” und “Narnia” und haben offensichtlich nachts angestrebt, die KiewRada wenigstens zum Teil wieder zu besetzen.

Das Innenministerium verbreite über seine Presse, dass in der Nacht auf dem Maidan Milizionäre verprügelt worden seien.

Auf “EuroMaidan” lese ich eine Notiz vom Prawy Sektor (Rechter Sektor): “Weitere Nachrichten von der KiewRada gibt es morgen – bis dahin handelt, wie es euch das Herz eingibt.”

Das Morgenritual der Miliz – zwischen 6.00 und 7.00 Uhr brummen die Armeebusse die Kruglouniversitetska hinauf zum Schichtwechsel – findet wie gewohnt statt. Hab mir erzählen lassen, dass die Soldaten am Präsidentenpalast in den Bussen schlafen müssen. Als Toiletten benutzen sie nach wie vor die schierlichen Chemietoiletten in der Luteranska, aus denen zwischendurch die Brühe über den Bürgersteig läuft (gibts im Präsidentenpalast keine Toiletten?)

7.30 Uhr: Alles ruhig? Auf dem Weg zum Auto instruiere ich unsere Kinder, die blaugelben Schleifchen von ihrer Kleidung abzunehmen. Ihr Heimweg nach der Schule hat sich etwas verlängert und führt seit Freitag über relativ stille Höfe. Nachdem ich die drei an unseren Fahrer abgegeben habe, werfe ich einen Blick von oben auf den Kreschtschatik. Dort ist es still. Die Zelte stehen. Wärmetonnen lodern. Leute gehen zur Arbeit. Vor dem Eingang zur KiewRada steht eine breite Reihe von Leuten in dünnen Regenumhängen (etwa wie ein leichter Müllsack) und mit orangenen Helmen.

Die Barrikade in der sogenannten Arka (das ist ein großer, bogenförmiger Treppendurchgang durch eines der Prachtgebäude am Kreschtschatik) ist durch die Schneeschmelze jetzt ziemlich durchlässig geworden. Um meinen gewohnten, direkten Weg zum Kreschtschatik zu nehmen, müßte ich bloss noch über zwei Bänke und etwas Stacheldraht klettern.

Was also gibt mir mein Herz ein?

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