Die Küche vom Euromaidan: Berge von Lebensmitteln, ukrainische Schönheit und Volkslieder. Bildreportage

Nataliia Sedletska, Radio Svoboda (Ukraine)
13.12.2013

Übersetzt von: Valentyn Bondaruk

Das Radio Svoboda hat in der vergangenen Nacht hinter die Kulissen der Euromaidan-Küche geschaut.

Die Kantine des Gewerkschaftshauses ist die Hauptküche vom Euromaidan. Hier lädt man die Lebensmittel ab, die Leute mitgebracht haben, hier werden sie sortiert und dann wird Essen für die Protestierenden gekocht – zweimal pro Tag immer neue warme Speisen und fast ununterbrochen – belegte Brötchen, Tee, Kaffee.

Unbefugten Eintritt verboten – es ist ein hygienischer Bereich. Tag und Nacht arbeiten die Mädchen und Frauen – alle freiwillig. Sie bekommen Spezialkleidung und Gummihandschuhe. Die Haare sind akkurat gebändigt. Der Fußboden wird oft geputzt. Es werden Volkslieder gesungen.

Die Oppositionsstäbe versorgen die Küche mit den wichtigsten Sachen – Wasser, Brot, Geschirr. Die Lebensmittelvorräte vom Euromaidan werden meistens von nichtgleichgültigen Ukrainern aufgestockt – gerade sie bestimmen das tägliche Menü der Protestierenden. An warmen Speisen gibt es Würstchen, Kartoffeln, Grützegerichte. Aber das wichtigste Lebensmittel sind belegte Brötchen. Sie werden von den Frauen ununterbrochen gemacht.

Liubov Stepanivna hat 25 Jahre lang beim hygienisch-epidemiologischen Dienst der Ukrainischen Bahn gearbeitet. Jetzt ist sie Rentnerin. In die Küche vom Euromaidan kommt sie jeden Tag – sie testet alle Lebensmittel an Qualität und Haltbarkeit. Selbstverständlich freiwillig.

„Manchmal bringen Leute etwas, was man unter solchen Umständen nicht zu essen geben darf. Wir lassen keine Leberwurst, keine Leberpastete, keine Pilze zu. Ab und zu bringt man gedörrten Fisch, Blutwurst – all dies ist verboten. Sämtliche Speisen, die bei jemandem zu Hause zubereitet wurden, werden streng kontrolliert und nicht immer serviert, weil sie schnell verdorben werden. Kohlrouladen werden zum Beispiel zuerst der zusätzlichen Hitzebehandlung unterzogen. Wir kümmern uns darum, dass es keine Nahrungsmittelvergiftungen gibt.“ – sagt Liubov Stepanivna. Sie hat sich bei jedem hier Gehör verschafft.

Die Lebensmittelvorräte mögen auf den ersten Blick beeindrucken. Sie werden aktiv wiederaufgestockt, aber auch genauso schnell aufgebraucht.

„Die Zitronen habe ich gründlich gewaschen, sie sind servierbereit. Keine Angst! Durchhalten! Gott helfe und schütze euch. Rentnerin Laktionova“

Es gibt auch Jungs in der Küche.

Schlangen an der Ausgabetheke. Das sind auch Freiwillige, verschiedenen Geschlechts und Alters. Ihre Aufgaben sind, von den Köchinnen zubereitetes Essen und Getränke auf Tabletten nach draußen zu den Verteilungspunkten auf den Unabhängigkeitsplatz zu tragen und eventuell auch zu den weit entfernten „revolutionären Stationierungen“, zum Beispiel zu der Präsidialadministration. Die Rotation erfolgt regelmäßig.

Das Mädchen mit dem Megaphon leitet den Prozess und berichtet über aktuelle Nachrichten aus der Straße. „Es kommen immer mehr Leute!“, „Von der Bühne spricht der Tiahnybok!“, „Für die Administration ist es genug Brötchen – man sagt, sie sind da schon satt!“.

Die Arbeit geht flott von der Hand. Die Mädchen schneiden Semmeln, Obst und singen stets ukrainische Volkslieder. Der Prozess bleibt nur für einen Augenblick still – die Küche singt die ukrainische Hymne. Darauf folgt das Gebet. Und wieder an die Arbeit.

URL: http://www.radiosvoboda.org/content/article/25199839.html

Übersetzt von: Valentyn Bondaruk

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