Boris Jegiazarjan: Wir Bauen Eine Neue Ukraine

Boris Euromaidan ArmeniaIch wurde in Armenien geboren, aber schon seit viele Jahre wohne ich in der Ukraine. Jetzt möchte ich die meiste Offenheit, um mich zu verteidigen, da ich in einer schwierigen Situation geraten bin.

 Freitag 29. November blieb ich auf dem Platz der Unabhängigkeit. Ich wollte keine Panik machen und schrieb darüber niemandem, aber ich wusste, dass am Morgen eine „Räumung“ gemacht wird. Ich sagte das meinen Angehörigen.

Ich irrte nur mit der Zeit: ich dachte, es wird um 5 oder 6 Uhr stattfinden (alle Kriege und Angriffe fangen in dieser Zeit an, wann die Menschen am meisten verwundbar und müde sind).

Ich wollte da sein. Falsch: ich wollte das nicht, ich hoffte nur, dass ich den Jugendlichen, die da blieben, helfen können werde, weil sie hätten es nicht geglaubt, dass es solche Brutalität möglich sei. Dabei verstand ich natürlich, dass ich nichts tun können werde, wenn diese schwarze Heuschrecken stürzen werden…

Alles passiert auf einmal: es kam eine Menge von ihnen, und als sie begann die Menschen zu schlagen, machte die Polizei einen Korridor hinter dem Tannenbaum, so, dass die Menschen entziehen konnten. Ich lief auch, aber ein junge Frau neben mir fiel ohnmächtig. Ich nahm sie und schleppte sie. Vielleicht wegen ihrer wurde ich gerettet, weil ich schrie, dass sie sterben würde, und wir wurden nicht geschlagen. Nur in den Rücken. Wie jeder, der floh.

Neben U-Bahn-Station Chreschtschatyk sah ich einen in unnatürlicher Position auf dem Rücken liegenden Junge. Er schien tot, aber seine Augen waren offen und liefen sinnlos. Ich begann ihn zu schütteln und zu schreien: “Steh auf! Los! Komm, sie werden töten!”

EuroMaidan Bloody Saturday Protest Riot Police

Photo of Viktor Kovalenko

In diesem Moment holten sie mich wieder ein und begannen sie mich auf dem Rücken zu schlagen. Ich legte meinen Kopf zwischen seine Füße und sofort sprang der Bursche, wie geweckt, heraus und lief weg.

“Berkut” eilte ihm nach, aber ich konnte nicht auf die Füße zu bekommen und fiel auf allen Vieren auf der Fahrbahn. Sie jagten uns weiter und schlugen auch dort. Erst neben Bessarabka verließen sie uns und wir, kleine Gruppen der Flüchtlingen, konnten endlich stehenbleiben. In Schevtschenko Park, fragte ich einen Passanten um Handy, rief meine Assistentin und bat sie dringend auf Facebook zu schreiben, dass Majdan gerade brutal dispergiert wurde.

Dann kam ich in die Klinik für Orthopädie auf der Worowskistr., aber der Wärter sagte, dass es nicht ihre Sache sei, und weigerte sich sogar ein Taxi für mich zu rufen. Ich ging zu Fuß auf die Vladimirskastr. 37, in die Notaufnahme. Dort wurde ich vielmal gefragt, ob ich wirklich wolle, dass sie hinwiesen, dass ich von “Berkut” geschlagen wurde.

Danach geschah ein seltsame Geschichte mit den Behörden. Jeder Ermittler (und es gab fünf von denen) verhörte nicht nur mich, sondern auch meine Frau, die gar nichts mit der Sache zu tun hatte.

Weiterhin: am 4. Dezember kamen zu uns nach Hause ohne Vorwarnung die Mitarbeiter der Sicherheitsdienst der Ukraine, die sich als Mitglieder der Antikorruptionsabteilung vorstellten. Meine Frau sollte bei der Arbeit sein, aber war zuhause aus gesundheitlichen Gründen und sie wurde auch wieder verhört. Sie war damals sehr erschrocken und bleibt bis heute in einem sehr schlechten psychologischen Zustand.

Ich beschreibe es so ausführlich um zu sagen: niemand darf in dieser Situation an der Seitenlinie bleiben. Vor allem Intellektuelle. Außer den schönen Kreativaktionen müssen sie bereit sein, das menschliche Leben selbst zu schützen, es gibt doch nichts wertvollerer in der Welt.

Darüber hinaus ist es jetzt notwendig, von den Streiten gegen der Opposition zu unterlassen. Wir haben kein anderer jetzt! Und sie, übrigens, verhält sich sehr gut jetzt. Sie hat doch keine Hebel für andere Maßnahmen, sie hat sie einfach nicht. Und der Westen macht keine harten Aussagen zu ihrer Unterstützung. Der Westen hat, natürlich, viel verstanden, aber die Hauptsache versteht er wieder nicht: dass Janukowitsch ein Raufbold ist und wird nur als solcher handeln.

Der Westen will bis zum Ende korrekt und diplomatisch bleiben, aber Russland greift aktiv. Diese Situation ist für die Opposition sehr schwierig. Deshalb sind jetzt irgendwelche Anschuldigungen gegen die Leader des Majdan nur für die Partei der Regionen vorteilhaft. Daher soll jedes Wort mit der Verantwortung gesagt werden. Es ist nicht wichtig, wie unterschiedlich meine Meinung von der der Opposition während der Friedenszeit ist. Jetzt ist die Situation ganz anders.

Intellektuelle, darunter kreative, die die Werkzeige Wort, Bild, Symbol nutzen, haben jetzt kein Recht, an der Seitenlinie zu bleiben, und dürfen die Macht der Worte schon gar nicht unverantwortlich verwenden. Die Frage steht sehr ernst: es ist nicht mehr nur die Freiheit bedroht, sondern sogar das Leben der Menschen. Leider ist es sich herausgestellt, dass das Menschenleben für derzeitige Regierung wertlos ist. Aber wir bauen doch eine neue Ukraine.

Boris Jegiazarjan, Künstler, war nach der Bewertung von der Vereinigung der Galerien der Ukraine im Jahr 1998 unter den zwanzig besten Künstler der Ukraine. Außerdem wurde er von dem Internationalen Biographischen Zentrum von Cambridge in das Verzeichnis „2000 Outstanding artists and designers of the 20th century“ (2000 herausragende Künstler und Designer des 20. Jahrhunderts) eingeschrieben. Im Mai 1999 wurde er mit dem „Diplom des Internationalen Biographischen Center“ von Cambridge für seinen herausragenden Beitrag zur Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts ausgezeichnet.

Quelle Life.Pravda.Com.Ua :  http://life.pravda.com.ua/columns/2013/12/11/145104/?fb_action_ids=10151857299749091&fb_action_types=og.recommends&fb_source=other_multiline&action_object_map=[452012001577519]&action_type_map=[%22og.recommends%22]&action_ref_map=[]

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