Charis Haska: Signal gespeichert

Charis Haska: Signal gespeichert

Quelle: https://www.facebook.com/charis.haska/posts/616640745069287?stream_ref=10

Heute hatten wir Morgentreff der deutschsprachigen Community vom Internationalen Frauenclub in dem gemütlichen Café “Lvivska Kavarnja” am Fuß des Andreassteigs.

Als wir in diese Straße einbogen, rasten uns einige Feuerwehrautos mit laufenden Sirenen entgegen. Ich zuckte zusammen und öffnete den Mund. Aber Monika, die auch in der Luteranska wohnt, kam mir zuvor mit dem, was ich sagen wollte: “Ich muss sofort an die Tage vom 18. bis 20. Februar denken. Genau dies Geräusch…”

Monika und ich haben in diesen Tagen in unseren sicheren Wohnungen gehockt und besorgt den Sirenen und Schüssen gelauscht.

Wie mag es wohl denen gehen, die vor Ort waren, stundenlang den Rauch der Reifen einatmeten und ihre Freunde sterben sahen?

Da gibt es noch viel aufzuarbeiten!

Das Ambiente des Cafés ist wunderbar. Wir wurden von Rockmusik begrüßt: OKEAN ELZY, “Stina”: Unsere Kraft reicht aus, die Mauer zum Einsturz zu bringen. Die Mauer von Mezhigiria….

Durch die Scheiben sah ich mehrere Geldtransporter die Straße entlangrasen. Später eine Maidanpatrouille den Berg hochgehen, einer der drei Männer war mit einem Knüppel ausgerüstet.

Einige meiner Freunde und Bekannten haben Freunde oder Angehörige in Russland. Von denen erhalten sie diese Tage Anrufe in höchster Aufregung: “Wollt ihr nicht lieber zu uns kommen? Bei uns in Moskau (oder Jekaterinburg) wäret ihr in Sicherheit!!! Wie haltet ihr bloss noch dort aus in der Hungersnot und mit den Scharfschützen auf den Dächern?”

Oh Gott, Mütterchen Russland, wie hältst Du mit Deinen Kindern die Lügen Deiner Machthaber aus?

Mit vollen Einkaufsbeuteln traten wir auf dem Rückweg aus dem U- Bahnhof Maidan heraus. Nieselregen. Rußmatsch. Musik von der Bühne. Ein große Haufen von Reifen lieg noch sorgfältig gestapelt bereit. Unmengen von Blumen erinnern an die Gefallenen. Abfall auf der Straße? Kaum. Wie immer funktioniert der Reinigungsdienst des Maidan hervorragend.

Holzrauch. Lilli fragt mich: “Ist das für Dich der Geruch der Revolution?”
Darüber denke ich länger nach. Auf den Dörfern dürfte der Geruch Normalität sein. Hoffentlich dringt der positive Ertrag der Revolution dorthin durch. Wie lange werde ich bei eventuellen Lagerfeuern noch due Ereignisse der letzten aufregenden Monate assoziieren?

Später komme ich mit dem Hund an der Kirche vorbei. Wie fast immer in den letzten Tagen kauert davor einer unserer kranken Gäste mit einer Zigarette, diesmal an einen der Blumenkübel gelehnt (sonst meistens an die Mauer neben dem Hoftor). Freundlich grüßt er. Sie haben jetzt etwas mehr Platz als in den letzten Tagen. Etliche haben das Lazarett verlassen. Hoffentlich sind sie wirklich gesund geworden.

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