Sibirischer Aktivist mit einem abgetrennten Schafskopf bedroht

Artyom-Loskutov-Siberia

Der Nowosibirsker Künstler Artjom Loskutow – VK

von Alexej Eremenko, 18. August 2014, The Moscow Times (Übersetzung)

Lokale Medien berichteten, dass ein abgetrennter Schafskopf vor der Haustür eines sibirischen Aktivisten gefunden wurde, nachdem er die lokalen Behörden durch die Ankündigung einer Kundgebung zur Unterstützung des Artikels 1 der russischen Verfassung, der den Föderalismus fördert, verärgert hatte.

Das ekelerregnede Geschenk wurde am vergangenen Wochenende vor der Haustür von Alexej Baranow in Nowosibirsk abgelegt, dem Organisator einer geplanten Demonstration für die Unverletzlichkeit der verfassungsmäßigen Ordnung, sagte Nazaccent.ru.

“Demonstration für die Verfassung”

Oberflächlich betrachtet handelte es sich um eine loyale Veranstaltung, die jedoch in Wirklichkeit darauf abzielte, die Aufmerksamkeit auf einen Widerspruch in der Kreml-Politik zur Ukraine zu lenken, und damit provozierte man den Zorn der lokalen Beamten.

Die Kundgebung sollte die föderalistische Natur Russlands feiern – und dabei folgerichtig eine größere Autonomie Sibiriens befürworten.

Die Organisatoren benutzten dieselbe Rhetorik wie der Kreml in seinem Drängen nach mehr Föderalismus in der Ukraine, wo pro-russische Rebellen einen blutigen Krieg gegen ukrainische Regierungstruppen führen.

Eine separatistische Bewegung existiert im ressourcenreichen Sibirien bereits seit dem 19. Jahrhundert, hat aber die regionale Politik nie dominiert.

Ende Juli wurde eine Kundgebung zur Unterstützung des russischen Föderalismus in Nowosibirsk angekündigt.

Eine Parodie nimmt eine ernste Wendung

Der ursprüngliche Veranstalter war der Nowosibirsker Künstler Artjom Loskutow, der in der Region für die Inszenierung augenzwinkernder politischer Provokationen bekannt ist, weil er ernstzunehmende politische Ereignisse “entfremdet” hat. Diese Parodien von Demonstrationen – die er als “Monstrationen” bezeichnet – wurden bekannt dadurch, dass sie unter dem Motto augescheinlich unsinniger Parolen wie “Wer ist dort?” und “Linsen sind böse” standen.

Loskutow blieb sich treu: Ein vorgesehener Slogan für die Föderalismuskundgebung zeigte einen Karte von Westsibirien in der Form eines Phallus mit dem Slogan: “Zeigt Moskau, wie Sibirien aussieht”.

Die Nowosibirsker Stadtverwaltung verbot die Kundgebung als verfassungswidrig, und die staatliche Internet-Aufsichtsbehörde Roskomnadzor  ging auf bisher beispiellose Art vor: sie Verbot den Zugang zu mehr als einem Dutzend Medienberichten und Seiten auf sozialen Netzwerken über die Demonstration.

Die Planung wurde dann von der marginalen radikalen Gruppe der Nationalbolschewistischen Plattform übernommen, die die Demonstration umfunktionierte in ein Ereignis zur Förderung des Föderalismus, der durch Artikel 1 der russischen Verfassung garantiert wird.

Die Nowosibirsker Behörden verboten auch die neue Demonstration.

“Wir werden keine Kundgebung erlauben, die die verfassungsmäßige Ordnung in Russland bedroht,” sagte Bürgermeister Anatoli Lokot zu der geplanten Demonstration für die Verfassung, wie News.ngs.ru am Freitag berichtete.

Rigoroses Durchgreifen gegen die Dissidenten

Die Veranstalter beschweren sich in den sozialen Medien und Interviews lokaler Nachrichtenmedien über weit verbreitete Repressalien, u.a. lange Verhöre und angebliche Bedrohungen durch die Strafverfolgungsbehörden, dass man Drogen oder gestohlene Handys unterschieben werde, wenn sie die Planunge für die Kundgebung nicht einstellen.

Beamte spekulierten auch darüber, dass die Veranstaltung “von der Ukraine finanziert” sei, schrieb der Mitorganisator Roman Popkow auf seiner Facebook-Seite.

Nach dem angeblichen Vorfall mit dem Schafskopf ist das eigentliche Ereignis schnell im Sande verlaufen: Nur etwa 15 Personen versammelten sich in Nowosibirsk, sagte BBC Russland.

Die meisten Organisatoren verbrachten den Sonntag in Haft und konnten nicht teilnehmen, obwohl sie später ohne Anklage wieder freigelassen wurden, so die Berichte am Montag.

Die Polizei konnte allerdings bei der Suche nach den Tätern mit dem Schafskopf-Vorfall keinen Erfolg vermelden.
Quelle: http://www.themoscowtimes.com/news/article/siberian-activist-threatened-with-severed-sheep-s-head/505291.html

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