Detlev Preusse: Wenn die Freiheit unserer Nachbarn erneut bedroht wird, dann wird unsere Freiheit bedroht

Detlev Preusse: Wenn die Freiheit unserer Nachbarn erneut bedroht wird, dann wird unsere Freiheit bedroht

Quelle: https://www.facebook.com/detlev.preusse/posts/1429214673993995?stream_ref=10

Beim Lesen des Artikels von Svetlana Alexijewitsch fühlte ich den Drang von Tränen. Ich weiß nicht, ob der Anlaß für diesen Gefühlsausbruch Trauer, Furcht oder Zorn war, oder eine Mischung dieser Reaktionen.

Trauer über die von Frau Alexijewitsch beschriebene Wandlung bzw. Offenbarung von Teilen der russischen Gesellschaft, Trauer über das Schicksal meiner Freunde in der Ukraine, denen man die Möglichkeit rauben will, künftig in einem zivilisierten, da demokratischen Land in Freiheit und Frieden zu leben, Furcht vor der weiteren Entwicklung in Mittel- und Osteuropa, einer Region, die mir, die uns so nahe ist, Furcht vor dem erneuten Sieg der Lüge und der staatlichen Gewalt die Lüge durchzusetzen, die die Menschen- und Bürgerrechtsbewegungen, die zivilgesellschaftlichen Gruppen und Massenbewegungen für Demokratie in Mittel- und in Teilen Osteuropas und die die Unabhängigkeitsbewegungen in den europäischen Sowjetrepubliken Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre überwunden, besiegt hatten, Furcht vor der Ausweitung des von Putin in der Ukraine begonnenen Krieges, oder eher der Zorn über diese brutale Politik, die die europäische Friedensordnung droht in Stücke zu reißen, Zorn über die Reaktion von deutschen Politikern und Kommentatoren, denen der Respekt vor den Menschen in der Ukraine fehlt, der Respekt vor dem Internationalen Recht, der Respekt vor und die Liebe zu den Werten, die unser Gemeinwesen zusammenhalten und unsere Bürgerrechte garantieren, Zorn über den erneuten Verrat von Intellektuellen, die nicht für die Freiheit von Ukrainern eintreten, zu dumm sind, um zu verstehen, dass in Moskau eine Clique um Putin eine verbrecherische Politik betreibt, eine Politik, die schwerwiegende Folgen nicht nur für Mittel- und Osteuropa, damit auch für unsere Partner und Freunde in der EU und in der NATO haben kann, sondern auch schwerwiegende Folgen für uns.

Wenn die Freiheit unserer Nachbarn, die Freiheit der Polen, der Esten, Letten und Litauer, erneut bedroht wird, dann wird unsere Freiheit bedroht. Wer nicht erkennt, dass Deutschland für diese Staaten eine Mitverantwortung trägt, auch für die Ukraine und Moldawien, bewegt sich im Dunstkreis derjenigen, die den „Hitler-Stalin-Pakt“ und das „Geheime Zusatzprotokoll“ für einen Akt staatlicher Interessenpolitik bei der „Neuordnung“ Europas halten. … Hier möchte ich nicht weiter schreiben, es öffnen sich Abgründe vor meinen Augen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/svetlana-alexijewitsch-ueber-putins-russland-12895308.html

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1 Response to Detlev Preusse: Wenn die Freiheit unserer Nachbarn erneut bedroht wird, dann wird unsere Freiheit bedroht

  1. justice says:

    Wer auf einem hohen Berg steht, hat auch Abgründe vor sich, aber sind nicht der Ausblick und das Wetter für den Genuss des Augenblicks entscheidend? Naturschutz und Völkerrecht haben etwas gemeinsam: Sie bewahren den Zustand des Unantastbaren. Die Ukrainer haben sich auf den beschwerlichen Weg zum Gipfel des Euromajdans gemacht, um die Freiheit in ihrer strahlenden Schönheit kennen zu lernen. Die Richtung ist klar, aber der genaue Weg dorhin ist ihnen nur in groben Wegbeschreibungen bekannt. Unzählige Menschen in der EU erfreuen sich der Freiheit rechtsstaatlicher Demokratie, könnten also dem ukrainischen Volk auf dem Weg von der dunklen Talsohle einengenden Zwangs zum hellen Gipfel des befreienden Weitblicks behilflich sein.

    Ohne ihren mutigen Willen zur nationalen Befreiung von Willkür und Korruption, würden wir in Europa und anderswo, nichts von den Absichten der russischen Führung so deutlich erfahren. Nur gemeinsam können wir Angriffe auf unsere menschlichen Grundwerte effektiv abwehren und die Ukraine bei der Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft wirkungsvoll unterstützen. Die meisten Menschen in der Ukraine erwarten zurecht Beistand in der Abwehr aggressiver Einflüsse, die das Land nachhaltig schädigen wollen, denn stehen sie nicht in vorderster Front? Heute die Krim, morgen die Ukraine und dann die ganze Welt?

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