Umarmt die Ukraine – und nicht Putin! (Die Welt)

Umarmt die Ukraine – und nicht Putin! (Die Welt)

Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article125507601/Umarmt-die-Ukraine-und-nicht-Putin.html?fb_action_ids=10153903012500634&fb_action_types=og.recommends&fb_ref=top.right

6.02.2014

Von: Volodymyr Yermolenko

Übersetzung: Inga Pylypchuk

Deutschland will die Versöhnung mit Russland. Doch es ist genauso wichtig, auf die Stimmen aus der Ukraine zu hören, schreibt der ukrainische Philosoph und Publizist Volodymyr Yermolenko.


Weltweit unterstützen Demonstranten die Ukraine, hier in Manhattan vor dem ukrainischen Konsulat

(Foto: REUTERS: Weltweit unterstützen Demonstranten die Ukraine, hier in Manhattan vor dem ukrainischen Konsulat)

Ich war erstaunt, als ich hier den Beitrag von Ulf Poschardt las, in dem der Autor den Westen auffordert, Putin zu “umarmen”. Im Text wurde die Ukraine nicht einmal erwähnt – mit Ausnahme des ersten Absatzes. So, als hätte es das Land, das nun im Mittelpunkt aktueller Ereignisse steht, einfach nicht gegeben.

Vielleicht ist es ihm entgangen, dass die heutige Spannung zwischen dem Westen und Russland eine direkte Verbindung zur Ukraine hat, und zwar in der Frage der Menschenwürde, für die die Ukrainer heute kämpfen. Er fordert den Westen auf, mit der “Dämonisierung” und “Barbarisierung” der Russen aufzuhören, und stattdessen Putin freundschaftlich zu “umarmen”. Ich frage mich, ob die Ukraine in solchen Umarmungen nicht ersticken würde.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entwickelten sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland so, als wäre die Anwesenheit der Ukraine etwas Ephemeres. Als ob man eine Brücke über das Territorium von 600.000 Quadratkilometern und 46 Millionen Menschen bauen könnte. Um dann von Berlin nach Moskau zu laufen, ohne das andere Land unter den Füßen zu merken.


Volodymyr Yermolenko ist Dozent an der Kiewer Universität „Kiew-Mohyla-Akademie“.

(Foto: Yermolenko Volodymyr Yermolenko ist Dozent an der Kiewer Universität “Kiew-Mohyla-Akademie”)

Deutschland hat sich mit seinen Feinden versöhnt

Diese Beziehungen haben sich so entwickelt, als wäre Russland für Deutschland die einzige schmerzliche “Stimme aus der Vergangenheit”. Berlin hat in den Beziehungen mit seinen Hauptfeinden des 20. Jahrhunderts (USA, Frankreich, Großbritannien usw.) erfolgreich Frieden geschaffen. Und es scheint so, als wäre die Aussöhnung mit Russland für Deutschland nun ein Ziel, das um jeden Preis erreicht werden muss – auch auf Kosten anderer Länder, die aus den Ruinen der Sowjetunion auferstanden sind wie die Ukraine oder Weißrussland.

Erlauben Sie mir aber, daran zu erinnern, dass Weißrussland, die Ukraine und Polen die meisten Opfer im Zweiten Weltkrieg erbracht haben. Genau diese Länder lassen sich laut Timothy Snyder als “Bloodlands” bezeichnen: Zwischen 1932 und 1945 sind sie Orte der größten Massaker der neueren Zeit geworden. Millionen Zivilisten und Soldaten sind hier getötet worden.

Sie sind Orte des grausamen Leids zweier Totalitarismen, Hitlers und Stalins. Deswegen ist es genauso wichtig, die Stimmen aus Kiew, Warschau oder Minsk zu hören wie die Stimmen aus Moskau.

Der Euromaidan verschiebt die Akzente

Ich persönlich begrüße die immer fester werdende Stimme Deutschlands im heutigen Europa. Ich verfolge aufmerksam die deutsche Presse und schätze, dass die Mehrheit der Medien demokratische Transformationen der Ukraine unterstützt.

Ich fordere dazu auf, zu verstehen, dass der Euromaidan eine Revolution der Würde ist. Aber die Ereignisse des Euromaidans verschieben auch einige Schlüsselakzente. Im Laufe der vergangenen Monate hat die Ukraine der europäischen Geschichte einen neuen Impuls gegeben.

Sie ist Mittelpunkt eines jungen, aktiven, dynamischen Europa geworden, in dem die Menschen an die Menschenwürde glauben, für sie kämpfen und sogar für sie sterben. Ich habe einmal dieses Europa “Europa des Glaubens” genannt, und es unterscheidet sich vom “Europa der Regeln” und gleichzeitig ergänzt es dieses Europa.

Insofern ist meine Botschaft sehr einfach: Umarmt die Ukraine – und nicht Putin! Bei dieser Umarmung können Sie zumindest sicher sein, dass Sie genauso warme Umarmungen als Antwort bekommen.

Aus dem Ukrainischen von Inga Pylypchuk

Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article125507601/Umarmt-die-Ukraine-und-nicht-Putin.html?fb_action_ids=10153903012500634&fb_action_types=og.recommends&fb_ref=top.right

This entry was posted in "Voice" auf Deutsch, Appeals, Crimea and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.