Aktivist Lutsenko: Keine Verhandlungen vor Abzug der Sonderpolizei!

Kommentar von Tobias Ernst

In den westlichen Medien entsteht derzeit der Eindruck, eine friedliche Lösung könne durch Verhandlungen zwischen Janukowtisch und Klitschko/Jatsenjuk/Tjagnibok herbeigeführt werden, es entsteht der Eindruck, es handele sich um einen Konflikt zwischen Regierung und Opposition.

Dem ist – im Kern – nicht so.

Es handelt sich um einen Konflikt zwischen einem korrupten, verbrecherischen Regime und seinem Volk. Das Volk steht nicht für die Oppositionsführer auf der Straße, sondern gegen das bestehende System, das sich seit Anfang Dezember als nicht nur korrupt, sondern auch menschenverachtend und gewalttätig entpuppt hat. In wie weit die Oppositionsführer Teil dieses Systems sind oder für das Volk stehen, ist bis heute noch ziemlich unklar.

Diese Gewalt war es (und nicht der Wunsch einer EU-Annährung, nicht die Aufrufe irgendwelcher Oppositionspolitiker, nicht einmal die Empörung über Korruption an sich), die die Menschen in Massen auf die Straßen gebracht hat.

Der folgende Facebook-Beitrag des Aktivisten Igor Lutsenko (er wurde von Sondereinheiten des Berkut verschleppt und gefoltert; er hat überlebt, während sein ebenfalls verschleppter Mitstreiter Verbitsky inzwischen tot aufgefunden wurde) erläutert eindrücklich, warum Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition sinnlos sind, solange die Gewalt (physische Gewalt durch ukrainische und mutmaßlich auch russische Sondereinheiten wie auch Repressalien durch die Strafverfolgungsbehörden) nicht ausnahmslos enden.

Igor Luzenko via Громадський сектор Євромайдану (Bürgerlicher Sektor des Euromaidan):

Wegen meines schlechten Gesundheitszustands bin ich wenig im Internet, doch bei der aktuellen Situation kann ich nicht schweigen.

KEINE VERHANDLUNGEN, bis nicht:

  • ALLE Geiseln freigelassen worden sind, angefangen bei den Gefangenen von der Bankowa, bis nicht alle Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden gegen Mitglieder des Maidan eingestellt worden sind;

  • die 290 Berkut-Kräfte, die Menschen auf dem Maidan geschlagen haben, festgenommen sind und einsitzen, zusammen mit allen ihren Kollegen, die am Boden liegende Menschen auf der Bankowa-Straße, der Hruschewski-Straße und vor dem Gericht geschlagen haben und ihre Geiseln in Wäldern, auf Bahnhöfen und Polizeidienststellen gefoltert haben;

  • der Innenmindster Sachartschenko und alle, die dem Berkut Befehle erteilt haben, entlassen sind.

Andernfalls grenzen Verhandlungen an Verrat. Während die Verhandelnden über Gesetzgebungsverfahren und Verfassungsänderungen reden, karren die Unmenschen vom Berkut ihre Opfer durch die Wälder. Solange man diesen niederen Kreaturen ihre Freiheit lässt, werden sie hunderte neuer Geiseln fangen und foltern, ganz egal, wie viele alte uns vielleicht zu befreien gelungen ist.

Quelle: Facebook-Stream des Bürgerlichen Sektors
Übersetzer: Tobias Ernst

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