Ukrainischer Verband der katholischen Journalisten: Appell an unseren Kollegen Journalisten und allen Menschen Guten Willens
Quelle: http://umca.org.ua/documents/12-zvernennya-maidan-2013-ger
(Übersetzt von: Natalia Karfut)
Seit mehr als einem Monat gibt es in der Ukraine eine friedliche Demonstration, die anfangs eine proeuropäische Ausrichtung der Ukraine zum Ziel hatte, sich aber mittlerweile zu einem panukrainischen Protest gegen die Verbrechen der heutigen Machthabenden geworden ist. Die Ukrainer wollen in einem freien demokratischen Land leben: ohne Korruption, ohne Lügen, ohne Gewalt. Der Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kyiv ist zum Hauptplatz geworden, auf der Ukrainer für ihre Rechte kämpfen und sich erhoffen, dass sie von der Internationalen Gemeinschaft gehört werden.
Auch wenn der Protest friedlich ist, so konnte nichtsdestotrotz das Blutvergiessen vermieden werden. Am 30. November wurden Protestierende von den sogenannten „Berkut“ (Sicherheitskräfte) brutal geschlagen. Während einer Kundgebung am 1 Dezember in der Nähe der präsidialen Administration wurden duzende friedlicher Kundgebungsteilnehmer und Journalisten verletzt. Wegen den Schlägen ist ein Teilnehmer der Kundgebung namens Pavlo Mazurenkov in der Reanimationsklinik gestorben. Ein Aktivist aus der Stadt Kharkiv namens Dmytro Pylypez musste wegen 12 Messerstiche operiert werden. Die Journalistin Tetiana Chornovol wurde von Unbekannten fast bis zum Tode geschlagen. Einige Aktivisten wurden verhaftet. Die ukrainische Frage hat aufgehört rein politisch zu sein und ist zu einer Frage der Verteidigung der Grundrechte und Freiheit des Menschen geworden.
Wir sind Journalisten. Wir sind Christen. Wir haben eine doppelte Pflicht: Zeugen der Wahrheit und Zeugen der Liebe zu sein. Wir sind uns der Situation, die in der Ukraine – unserer Heimat – entstanden ist, bewusst, und deshalb können wir nicht schweigen. Wir nehmen die Verzweiflung, Ärger und Schmerz vieler unseren Mitbürger ernst und dürfen sie nicht ohne Worte des Trostes, der Solidarität und der Liebe alleine lassen.
Gott ist die Liebe, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist ein guter Hirte, dessen Stimme kennen seine Schafe. Alle Ukrainer brauchen Gottes Stimme in den Worten des Heiligen Vaters zu hören, um die Tränen abzuwischen, um unseren Nächsten nicht zu verraten, um nicht mit Hass auf das Böse zu antworten. Mit ganzem Herzen ringen wir darum, diese Stimme zu den Menschen zu bringen. Bitte, helfen Sie uns!
In diesem schwierigen historischen Moment unserer Heimat, rufen wir, die Gemeinschaft ukrainischer katholischer Journalisten, unsere Kollegen in der ganzen Welt auf, ihre christliche Solidarität mit uns zu bezeugen und möglichst viel über den friedlichen Protest der Ukrainer gegen das Unrecht und die Gewalt zu berichten. Bitten Sie die katholischen Würdenträger der ganzen Welt auch kurz ihre Achtung unserer Mitbürger zu schenken.
Es ist schmerzvoll, erniedrigt, geschlagen, abgestossen und ignoriert zu sein. Es ist aber noch schlimmer, wenn die Mitbrüder das nicht merken, wenn Drumherum Totenstille herrscht und es niemanden gibt, der dich nicht einmal mit einem Wort verteidigt.
Auf einer besonderen Art und Weise wenden wir uns unseren Kollegen an, die im Vatikan arbeiten. Wir wissen, dass eure Aufgabe darin besteht, der Welt über die Tätigkeiten des Heiligen Vaters zu informieren, der ein Bischof für Abgestossene und Misshandelten sowie Verteidiger der Schwachen ist. Schon seit einem Monat ist die Ukraine eine Heimat der Erniedrigten und Geschlagenen, der Leidtragenden, der Hungernden und Dürstenden nach Gerechtigkeit. Lassen Sie uns in diesen Tagen die zu uns gerichtete Stimme des Hirten hören! Bitte, helfen Sie uns, unseren Bittgesuch zu ihm bringen. Wir möchten die Worte des heutigen Petrus, gewählt um Mitbrüder im Glauben zu stärken, hören.
Das Herz der Katholischen Kirche schlägt im Vatikan. Das Herz der Ukraine blutet heute. Wir möchten spüren, dass die beiden Herzen im Takt schlagen. Wir möchten darüber in der Ukraine und in der ganzen Welt erzählen. Wir brauchen Worte, die von Herzen zum Herzen gelangen.
Diese Bitte und unsere Hoffnung übergeben wir in Eure Hände und wir wissen, dass wir mit Eurer brüderlichen Liebe, Unterstützung und Gefühl rechnen können. Wir bedanken uns dafür!
Wie können Sie uns helfen?
- Schreiben Sie über die Situation in der Ukraine. Die Frage ist schon längst ausserhalb der politischen Ebene und der Frage nach der europäischen Integration unseres Landes gelangt. Das Problem besteht in der alltäglichen Verletzung der Menschenrechte, in den Verbrechen gegen Journalisten und Aktivisten, Massenschlägereien, die unbestraft bleiben. Schreiben Sie darüber, damit die Öffentlichkeit davon erfährt.
- Als Mitglieder Eurer Kirche, wenden Sie sich zu den kirchlichen Würdenträgern, damit sie ihre Augen auf die Kirchen in der Ukraine wendet und mit Worte und Gebet diese unterstützt.
- Als Bürger verschiedener Länder, wenden Sie sich an Ihre Autoritäten. Wir bedanken uns bei allen für die Worte der Unterstützung, die wir während des Monats gehört haben, aber wir bitten darum, dass die Stimme nicht aufhört, sondern immer lauter wird.
- Wir bitten Sie, um Ihr persönliches und gemeinschaftliches Gebet.
In diesen Tagen erlebt die Welt das Geheimnis von Weinachten – ein Geheimnis der göttlichen Liebe und Vertrauen zu den Menschen. Wir glauben, dass es zum Plan Gottes gehört, dass diese für die Ukraine schwierige Zeit grosse Veränderungen bringen wird und wir alle stolz sein werden, Teil an diesem Ereignis genommen zu haben. Die dunkelste Stunde ist immer vor Sonnenaufgang. Es ist jetzt die dunkelste Stunde in der Geschichte der unabhängigen Ukraine. Helfen Sie uns, den Sonnenaufgang näher zu bringen.
Ukrainischer Verband der katholischen Journalisten
Übersetzung – Natalia Karfut
